Gesucht – gefunden

2007, gut 50 Jahre alt, suchte ich eine neue sportliche Betätigung. Zuletzt joggte ich regelmäßig, aber die Probleme mit den Beinmuskeln setzten dem einen engen Rahmen und es machte keinen Spaß mehr. Was ich suchte, war etwas, um meine Kraft, meine Beweglichkeit, meine Kondition und mein Körpergefühl zu verbessern . Für den Kampf gegen meinen ‚inneren Schweinhund’ wäre eine nette Gruppe auch hilfreich.

Ein Artikel über den ‚Club der außergewöhnlichen Gentlemen’ machte mich neugierig. Karate für Männer über 45 – das könnte passen.

Robert Fuhr war am Telefon sehr überzeugend – und so landete ich beim 1. Training des Clubs. Mein erster Eindruck: “Wie in der Tanzstunde.” Wir sollen scheinbar einfache Bewegungen mit Armen oder Füssen nachmachen. Ich sah, was ich tun sollte, aber irgendwie waren meine Bewegungen anders, unpassend – wohin mit Beinen und Armen?  Erinnerungen an traumatische Tanzstunden kamen hoch. Wieso bin ich geblieben – bis heute?

Gefunden habe ich einen Trainer und Trainingspartner, mit denen ich ernsthaft, zielgerichtet und mit viel Respekt meine körperliche Fitness verbessern kann. Ich werde bei jedem Training gefordert, oft bis an meine Grenzen und etwas darüber hinaus. Wenn ich etwas nicht kann, bin ich mit mir ungeduldig, aber mir war es noch nie peinlich. Im Gegenteil, mir werden z.B. Techniken zum x-ten mal erklärt, mit Geduld, Hartnäckigkeit  und wenn nichts mehr geht, mit Humor. Und manchmal kann ich einem anderen Kollegen etwas erklären und das macht Spaß. Ich gebe gerne etwas von dem zurück, was ich bekommen habe.

Einen Kampfsport zu lernen ist völlig neu für mich. Ich habe keine Erfahrungen mit Schlägereien und besonders ängstlich bin ich auch nicht. Nach gut zwei Jahren bin ich von Karate begeistert, denn es bringt mir ein besseres Körpergefühl, mehr Achtsamkeit für meinen Körper, höhere Koordinationsfähigkeit und mentale Stärke. Karate ist für mich Denken mit dem Körper.

Inzwischen bin ich fast regelmäßig zweimal die Woche beim Training. Falls ich mal keine Lust auf Training habe, kann ich meinen ‚inneren Schweinhund’ auch schon mal überlisten mit dem Wissen um die Erzählrunde nach dem Training an der Bar.

Übrigens musste ich noch kein  Holzbrett durchschlagen und meine Brille hat alle Trainings heil überstanden.

Helmut  Keymer
Erwachsenenbildner, Supervisor, Coach