Meine Savate Geschichte
von Sascha Wilhelm


Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit als ein junger Mann mit dem Studium der Informatik in Aachen begann. Gestresst von dem Druck und der vielen Lernereisuchte ich damals einen sportlichen Ausgleich um mich physisch wie auch geistigzu erholen.
Aber wo und was, das war hier die Frage!

 

Schon in jungen Jahren von den Kampfsport-, Martial Arts-Ikonen und Schauspielern, wie Bruce Lee, Jacky Chan, Mike Tyson, Mohammed Ali, etc. inspiriert übte ich heimlich an allen möglichen Orten einige akrobatische Bewegungen. Es konnte also nicht mehr allzu lange währen bis ich mir endlich mal eine Schule suchte, um mich weiter zu bilden. Ich fand, natürlich damals im Verbund einiger Freunde, eine vorübergehend geeignete Schule in meinem Geburtsort Düren. Dies war eine Kick-und Thaiboxschule! Das sehr harte Training und die körperliche Beanspruchung, die dort von einem abverlangt worden war, haben mich schon damals sehr gereizt und natürlich, obwohl meine Freunde sehr schnell wieder abgesprungen waren, blieb ich 5 Jahre in diesem Verein.  Kampfsport war für mich immer schon der ultimative Sport, da es ein Allroundtraining darstellte, bei dem sowohl Körper als auch der Geist geschult wird. Ich musste immer hochkonzentriert bei der Sache sein, um gegen die Besten im Verein nicht schlecht im Sparring auszusehen. Ich hatte damals schon das Vergnügen mit Deutschen Meistern und sogar mit einem späteren Europa- und Weltmeister im Kickboxen trainieren zu können. Ich verbesserte stetig meine Koordination, Kondition, Schnelligkeit, Geschicklichkeit während den Trainingsübungen. Bei den Deutschen Meisterschaften konnte ich als Jugendlicher den 2. Platz belegen. Leider wie es nun mal der Lauf der Dinge ist, habe ich  dann 2Jahre  mein Training etwas zu Gunsten der Schule und der Freundin zurückgestellt.

Aber nie habe ich meine Liebe zum Kampfsport komplett aufgegeben. Als ich nun nach Aachen gezogen war, musste ich, da ich nicht länger pendeln wollte, einen anderen Verein finden, bei dem ich mich wohl  fühlte. Dies war der Beginn einer wunderschönen Liebe mit dem Savate, oder auch Boxe Francaise Savate genannt.

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  Sascha in Aktion!

Ich bin auf meiner Suche zufällig auf einen Zeitungsartikel in der Aachener Zeitung gestoßen, in dem von der Deutschen Meisterschaft im Boxe Francaise Savate in Aachen  (hey, genau hier, wo ich doch wohne) die Rede war. Es wurde dort auch vom französischen Kickboxen gesprochen, bei dem die Deutsche Hochschulgruppe erfolgreich teilgenommen hatte. Alles klar, dachte ich mir, das musst du dir doch mal ansehen. Also, schwups, einen Blick ins Internet, wann das nächste Training ist, und ab ging es. Es war Liebe auf den ersten Blick! Das Training war, wie ich es mir erhoffte, genauso, wie damals in meiner alten Dürener Schule, hart und ich konnte mich mal wieder so richtig auspowern. Und am nächsten Tag konnte ich mich  kaum noch bewegen. Des weiteren waren der Trainer, Klaus Woeste, und auch die anderen Jungs und Mädels super nett und nahmen mich als Neuling sehr freundlich auf, so dass ich nicht anders konnte, als regelmäßig zum Training zu gehen. Außerdem erkannte Herr Woeste  anscheinend mein Talent und lud mich direkt zum fortgeschrittenen Training  ein. Hey, war das eine Motivation!!

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Deutsche Meisterschaft!

Aber aller Anfang ist schwer!! Was machten denn die Jungs und Mädels hier mit mir? Sie malträtierten mich mit Schuhen und waren blitzschnell, so dass ich sie kaum traf und Sie mich immer wieder. Das hatte ich mir dann doch etwas anders vorgestellt, da ich ja doch früher einmal, was ja nicht so lange her war, ebenfalls nicht langsam war und eine gute Reaktion durch mein altes Training erworben hatte. Jedoch wurde ich eines besseren belehrt. Diese Savateure bewegten sich schnell und leichtfüßig; vor und zurück und um mich herum. Dabei trafen Sie mich ständig abwechselnd am Bein, Körper und wie? Am Kopf! Ich lernte somit, was es hieß Fouettè, Chassè, Revers, und dies in allen Höhen, Bas, Medion und Figure, also Beine, Körper und Kopf. Diese Leichtfüßigkeit und Eleganz in den Aktionen waren der große Unterschied zum eher groben Kick- und Thaiboxen. Außerdem musste ich mich mehr bewegen, da die „Distanz“ ein wesentliches Merkmal des Savate ist. Nicht mit dem Schienbein wird getreten oder abgewehrt sondern nur mit den Füßen. Füße heißt beim Savate jedoch, mit Schuhen.

Savate auch übersetzt, „alter Schuh“ oder „Pantoffel“. Natürlich mit allem was dieser Boxstiefel ähnliche Schuh einpackt, die Picke, die Hacke, die Ferse, den Spann. Das Bein muss jedoch dabei auch immer gestreckt sein beim Auftreffen. Somit hieß es für mich bewegen, bewegen und nochmals bewegen!! Ich tat dies, Woche für Woche, Monate für Monate und Jahre über Jahre bis ich, bescheiden wie ich bin;-) einige Erfolge in Wettkämpfen für mich verbuchen konnte. Das schöne an den Wettkämpfen war die Form des Assaut, des Leichtkontakts. In dieser Wettkampfform ist auf der einen Seite, die Anzahl der Treffer, als auch die facettenreichen und präzisen Techniken, von großer Bedeutung. Es war also kein wildes „Draufgeboxe und –Getrete“, sondern Eleganz und Technik mussten zum Repertoire des Akteurs gehören.

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  Verdiente Ehrung!

 

Es gab zwei Bewertungsnoten, die A-Note zählte die Treffer (Beine ein Punkt, Körper 2 Punkte und Kopf sogar vier Punkte; Boxtreffer einen Punkt) und die B-Note bei der die Technik also die Eleganz zählte. Ja, so sind die Franzosen, sie lieben die Eleganz. Am Ende hatte ich wie jeder andere auch mal eine kleine Blessur, aber schlimme Verletzungen, die eine kleine Sportpause oder die den Arbeitenden unter uns eine komische Ausrede abverlangt, blieben aus. Fragen, wie „Hast du dich etwa geprügelt?“ waren damit äußerst selten. Dies ist ein großer Vorteil des Assaut für unsere arbeitende und geschäftstüchtige Gesellschaft Aber das wichtigste, es macht einfach nur mächtig viel Spaß!!

Aus diesem Grund hatte ich auch nichts dagegen,als mich irgendwann mein alter Trainer fragte, ob ich nicht das Training übernehmen wolle. Dies war jetzt ungefähr vor 5 Jahren. Ich willigte ein, weil ich gerne die Freude am Savate weitergeben und andere, ebenso wie er mich, zu einer wundervollen und erfolgreichen sportlichen Karriere führen wollte. Dies ist mir auch gelungen! Das Aachener Team konnte immer wieder bei nationalen wie auch internationalen Wettkämpfen ein paar Medaillen mit nach Hause bringen. Natürlich hatte ich auch immer wertvolle Unterstützung von engen Freunden, die diesen Sport genauso lieben, wie ich auch. Durch diesen Sport habe ich Freundschaften fürs Leben geknüpft!!!

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Dieser Sport war also in jeder Lebenslage ein wertvoller Begleiter. Eines Tages kontaktierte mich ein Mann aus Mönchengladbach, der einst Savate in Frankreich kennen gelernt hatte und von mir  unterrichtet werden wollte. Doch dies ist eine andere Geschichte;-)

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