Kettlebelltraining ist äußerst effektiv und liefert eine extreme Rundumfitness. Im Gegensatz zum Training an Geräten und Maschinen werden die Muskeln hierbei nicht isoliert, sondern integriert beansprucht. Dabei
sind stets viele Muskelgruppen und -schlingen gleichzeitig aktiv, wobei vor allem die wichtigen (kleinen) Stabilisatormuskeln trainiert werden. Nahezu jede Übung stellt eine Ganzkörperübung dar und fördert somit das funktionelle Zusammenspiel verschiedener Muskeln über mehrere Gelenke hinweg. Die Ergebnisse äußern sich in einer besseren Beweglichkeit sowie einer besseren Stabilisationsfähigkeit der Wirbelsäule und der großen Gelenke (Knie, Hüften, Schultern). Sämtliche Bewegungen können effektiver ausgeführt werden und das Training ist recht kurz, da viele Muskeln gleichzeitig arbeiten.



Die Übungen im Kettlebelltraining wirken sich besonders stärkend auf das Kraftzentrum des Körpers in der Körpermitte aus. Im Englischen spricht man von "Core" oder "Pillar Strength". Gemeint ist damit vor allem der untere Rumpfbereich um die Lendenwirbelsäule und die Hüftgelenke herum. Das Training mit Kettlebells kräftigt und stabilisiert aber auch enorm den Schultergürtel (v.a. die Muskeln der Rotatorenmanschette und der Schulterblätter).

Während im gegenwärtigen Krafttraining überwiegend noch nach Bodybuilding-Prinzipien (Isolation von Muskelgruppen nach den Splitt oder Doppelsplittprinzip) trainiert wird (teilweise unwissentlich), geht es beim Kettlebelltraining vor allem um die Entwicklung funktioneller, harmonischer Kraft im ganzen Körper. Das bedeutet, dass es nicht um den Aufbau aufgepumpter Showmuskeln geht, sondern um die Fähigkeit einer effektiven, nutzbaren Kraftentfaltung und -übertragung, wie man sie im Alltag und Sport tatsächlich benötigt.

Kettlebelltraining teilt sich grob in zwei Kategorien auf.
- Zum einen die ballistischen Übungen (Schwünge u. a.) und
- zum anderen die (Ganzkörper-) Kraftübungen.
Die ballistischen Übungen, bei denen die Kettlebell mehr geschwun-gen, als gehoben wird, machen den Großteil des Trainings aus und dienen vor allem der Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-konditionierung.
Da sie aber meist explosiv ausgeführt werden, verbessern sie auch unglaublich die Kraft- und Schnellkraftproduktion. Vereinfacht gesagt kann man sich darunter ein explosives Kraftausdauertraining vorstellen.

Die Kraftübungen dienen vor allem der Bewegungsschulung und der Verbesserung der Oberkörperkraft, wobei der Unterkörper jedoch nicht zu kurz kommt. Die untere Körperhälfte wird aber auch vermehrt bei den ballistischen Übungen beansprucht. Im Gegensatz zu diesen werden die reinen Kraftübungen sehr langsam, bewusst und konzen-triert ausgeführt. Vor allem die untere Rumpf- und die gesamte Beckenmuskulatur wird hier deutlich gekräftigt, was sich im Sport-bereich in einer höheren Leistungsfähigkeit und im Alltag mit einer sehr gesunden und stabilen Wirbelsäulenfunktion äußert. Hierbei geht es, wie bereits erwähnt, nicht um den Aufbau von Muskelmasse im Sinne des Bodybuildings, sondern um den Aufbau von Kraft durch ein verbessertes Zusammenspiel der verschiedenen Muskeln und eine höhere Rekrutierung von Muskelfasern (Fähigkeit, mehr Muskelfasern gleichzeitig anspannen zu können).
Genau darauf kommt es aber an, nämlich auf die Muskelfasern, die man in der Lage ist zu aktivieren und nicht auf die Fasern, die man hat. Man könnte auch frei formulieren: “Vom Muskelbesitzer, zum Muskel-anwender!“
Durch Veränderungen der Trainingsmethodik lassen sich nach Bedarf jedoch auch beachtliche Ergebnisse im Aufbau von Muskelmasse erzielen.

Modernes Kettlebelltraining basiert auf tiefgreifenden Erkenntnissen der modernen Sportwissenschaft, ist dabei jedoch in der Umsetzung einfach, aber nicht leicht.
Dadurch und durch einiges mehr, das den Rahmen an dieser Stelle sprengen würde, passt es so zum wissenschaftlichen Bezug des Kenpo!

Lassen sich Kettlebells auch in das bisherige Fitnesstraining integrieren? Natürlich. Nur, weil Kettlebells ein hocheffektives Rundumfitnesssystem bieten, heißt das nicht, dass andere Trainingsmethoden wertlos werden. Ideal lassen sich Kettlebellübungen z. B. mit Lang-hanteltraining und Übungen mit dem eigenen Körpergewicht verbinden. Aber auch Laufen und Seilspringen bieten z. B. gute Ergänzungen.
Wie sollte es auch anders aussehen für Kenpoists und Kampfsportler, die ja einen Großteil Ihrer Trainingszeit für den Erwerb technischer Fähigkeiten verwenden müssen. Hohe Effektivität in kurzer Zeit bedeutet, mehr Zeit und Energie für das Kenpo und die (aktive) Erholung zu haben.