"Mein Standpunkt" von Robert Fuhr

Das Cross Training ?
Was ist Cross - Training?

Im Kampfsport-/Kampfkunstbereich versteht man unter Cross den Wechsel von der einen Kampfkunst hinüber in eine andere, um dann beide oder aber auch nur eine (meist die ursprüngliche) zu verbessern. Das Cross-Training macht deswegen Spaß, weil man die Lust an seiner ursprünglichen Kampfkunst steigert. Vor allem aber betrachtet man seine eigene Kampfkunst einmal von einem anderen Blickwinkel heraus, versteht sie besser, vermeidet "Betriebsblindheit".


Es ist tatsächlich so, dass man manchmal „Loslassen“ muss, um zu verstehen und das Cross Training ist ein Weg (nicht der Einzige – Gott sei dank!) dahin.


Cross - Training bedeutet aber auf keinen Fall, alles anzufangen und nichts zu Ende zu bringen.

Dies wäre genau das Gegenteil des Bezweckten! Man braucht sein „Trägersystem“, auf das man sich (immer wieder) bezieht, um dann weiter zu forschen. Andernfalls hat man gar nichts. (Ed Parker`s Geschichte vom Bone Digger!)

Ed Parker war ein großer Befürworter des Cross -Trainings, um das Kenpo zu verbessern.

Er selbst trainierte nach Aussagen seines Sohnes Edmund Lua; wie mir Earl Montague schrieb, trainierte der Meister ebenfalls Tai Chi und Ba Gua mit ihm; Ed Parker war ein guter Boxer, wie wir wissen, und er hatte den 5ten Dan im Kodokan Judo, wenn man dem Internet Glauben schenken darf; Sogar die, die ihn heute diffamieren, bestätigen dies.

130 Kg und 110 Kg beim BJJ Training!

Er stand in engen Kontakt mit James Mitose, der der Meister des Kosho Ryu Kenpo war, (es existieren Briefe von Ed Parker, die das belegen) und man erkennt heute noch im Kenpo die Anlehnung an die philippinischen Kampfkünste.

Was aber bedeutet Cross Training und wie muss man sich effektives Cross Training vorstellen?


"Carpe diem", nutze den Tag, nutze das Leben. Denn wir haben nur dieses eine, es ist kein Konzept, es ist die Reinschrift.


Cross Training kann also nicht bedeuten, sich einmal im Jahr zu treffen, jemanden mit großem Namen einzuladen und dann irgendetwas einen Tag lang zu trainieren, was zwar Spaß macht, einen aber nicht weiterbringt.

Autsch!!! Stomp ins Schienbein ohne Schienbeinschoner!

 

Man hat eben wieder einmal dem Protokoll genüge getan hat, weil es der Meister so „vorgedacht“ hat!!!

Auch die Trainer des jeweiligen Clubs müssen die Dinge im Training weiterführen, was in den Seminaren gemacht wurde, sei es auch so, dass die Schüler es gar nicht merken. Dann sollte der Lehrer aber auch Ahnung haben von dem, was der Seminarleiter anbietet.

 

Auch beim Savate: Safety First! ...und da ist man wirklich besser vorbereitet!

 

Wie aber sieht die Lösung aus? Wieder bringen uns die Fragen weiter, die man sich ehrlicherweise stellen und Voraussetzungen, die man einfach sehen muss:

 

1. 

Schüler sind Schüler und sie haben das Recht weitergebracht zu wer­den, nach dem was sie ins Training (hinein-)geben. Der Lehrer aller­dings sollte im­mer mehr als ein System kennen/lehren, auch wenn es für die Schüler nicht unbedingt sichtbar ist im Unterricht! Ansonsten kämpft der Kenpoist immer mit dem Kenpoist, den Karateka immer mit dem Karateka usw. Gegen die kann er sich dann auch bestens behaupten, aber meistens eben nur gegen diejenigen, die das Spiel mitspielen! Ich nenne so etwas „Kampfkunst-Inzucht“ und der erste Straßenschläger, der unerwartet und unkonventionell angreift, macht den o.g. „Spezialisten“ nieder. Einmal sagte mir ein Kenpo-Braungurt in einem Training mit anderen höheren Gurten ganz offiziell, dass er nicht in der Lage sei, sich mit Kenpo zu verteidigen.

Ich traute meinen Ohren kaum, aber genau das ist es was passiert, wenn man stur Dinge lernt, die für einen keinen Sinn ergeben. Was schlimm ist, ist die Tatsa­che, dass er bald in einer anderen Schule einen Kenpo black belt bekommt und weiteren Schülern sein Kenpo beibringt. Nie stellte er sich die Frage, wozu denn ein Kampfsystem gut ist, das er in einem realen Kampf nicht einmal zur Anwendung bringen kann. Meine Antwort: Reine Lebenszeitver­schwendung! Ich sage nur frei nach Cyndi Lauper: „Show me your true colours...“

2.

Es gibt Profis und Amateure und genau da scheiden sich die Geister. Ein Amateur muss die Woche über arbeiten und kann sich allenfalls an einigen Tagen in der Woche am Abend mit seinem Hobby be­schäftigen. Er unterliegt einer zeitlichen und finanziellen Limitierung, die weit unter der des Profis liegen sollte. Das ist auch ganz ok so, erstens kann nicht jeder sein ganzes Leben der Kampfkunst widmen, noch muss er das tun, um für sich gute Ergebnisse zu erzielen, und zweitens rechtfertigt das erst Mehr-Können und der Mehr-Einsatz den Einsatz des Profis.

Ein Profi hat – meiner Auffassung nach – die Aufgabe, ja die Verpflich­tung, sein System anhand anderer Systeme (nicht nur Kampfsysteme, sondern auch sportli­che Disziplin, Medizin und andere Wissen­schaften, die dienlich sind) genau zu erforschen, zu erweitern und zu verbessern; zumindest sollte das so im Kenpo sein (der Meister hat es vorgelebt), wenn der Begriff des Cross-Trainings irgendeine Bedeutung über ein Lippenbekenntnis hinaus haben soll. Dafür setzt der Profi viel Geld und Zeit ein, damit er die Ver­besserungen des Systems oder der Systeme an die Schüler weitergeben kann.

3.

Aber auch mit diesem Mehraufwand an Zeit und Geld bleibt die Frage, wie viel Lebenszeit dem Profi zur Verfügung steht? Sicher auch nur eine begrenzte Zeit, wie sich jeder vorstellen kann.

Wie aber wählt man dann aus, was man lernen soll um seine Zeit opti­mal zu verwenden?

 

Jörg „Marschmellow“ Lothmann beim WBJJO offiziellen Foto!

 

Für mich gab es da mehrere Kriterien:

Die meisten Kenpoists, die ich kennen gelernt habe (Lehrer oder nicht), verste­hen nicht einmal mehr die Angriffe, gegen die sie Techniken ausführen sollen, geschweige denn die Absichten des Gegners. Dies wird umso schwerer, je ausgetüftelter (je nach Gurtstufe) die Angriffe werden. Gehen wir einmal davon aus, dass Ed Parker sich um die Angriffe gekümmert hat, die wirklich gefährlich sind (weil sie häufig vorkommen und/oder sehr gefährlich und ausge­feilt sind), dann müssen wir auch davon ausgehen, dass die Systeme, die dahinter stehen auch sehr gefährlich und ausgefeilt sind.

Das wird allerdings von sehr vielen Lehrern und Schülern gar nicht erkannt; oder hat sich nicht der ein oder andere, der dies liest, einmal gefragt, warum wir einen einfachen „Handzerquetscher“ (Gift of destruction) so brutal beantworten oder was denn überhaupt „caputered leaves“ (Hand des Ver­teidigers wird vermeintlich nach oben gebogen ) oder „bow of compulsion“ (Hand des Verteidigers wird auf die Brust des Angreifers gedrückt) für ein Angriff sein soll?

Nur wer die Systeme dahinter versteht, versteht was die Absicht des Gegners ist und warum man tut, was man tun muss.

Wer einmal im triangle Choke eines BJJlers gesteckt hat, weiß, dass andere auch etwas können und viele Wege nach Rom führen

 

Wer Escrima, Arnis, Panantukan, Dumog und Buno kennt, weiß wie schlimm es noch werden kann! Alfred ist ein toller Lehrer und Freund!

 

Teilen wir die Systeme grob ein in Grappling-, Punching- und Kicking-Systeme auf verschiedenen Ebenen, Waffen- und Mixed Martial Arts-Systemen, dann haben wir immer noch die Wahl zwischen 100-ten von Syste­men.

 


 

Ich weiß nicht warum man ihn Marshmellow nennt. Er ist eine 120kg, manchmal 130 Kg menschliche Anaconda. Passt man einen Moment nicht auf, ist man schon k.o. Er braucht ca. 3 Sekunden um einen „auszuwürgen“- wie ich aus schmerzlicher Erfahrung weiß!

120 Kg als Punktlast, die gleich stürzen werden, sind nicht gerade ohne Gefahr!

 

Rasseln gehört zum Handwerk: Jörg „Marshmellow“ Lothmann und ich beim Posen für die Seite der WBJJO! Jörg vertritt die Gracie Barra Linie; ich die Linie des Gracie Jiu Jitsu. Beide zusammen bedeutet, das Beste aus zwei Linien.


Es bedarf eines jahrelangen Studiums um festzustellen, welche der Künste wohl die effektivsten sind, wer die besten Lehrer sind, wo diese unterrich­ten und ob man sie überhaupt bezahlen kann! Um Kenpo „zu ver­edeln“, falls das überhaupt möglich ist, ist das Beste gerade gut genug. Das alleine reicht aber auch nicht, denn man muss den maximalen Nutzen finden und genau den findet man über Ed Parker und seine „key ingrediences of logic.“


Die „key ingrediences of logic“ sagen aus, dass wir die (Kampf-)Situation aus drei verschiedenen Perspektiven sehen:

1. aus unserer Perspektive

2. aus der des Gegners und

3. aus der Perspektive des unbeteiligten Dritten.


Wenn wir ein bestimmtes (Kampf-)System zu lange und ausschließlich betrei­ben, dann werden wir notwendigerweise „betriebsblind.“ Das „neue System“ bringt uns also eine neue Perspektive, von deren Standpunkt aus wir unser Kenpo betrachten können und die Entwicklung läuft schneller, weil wir wissen worauf wir beim Ausführen der (Kenpo-)Technik achten müssen, womit wir wieder Zeit sparen.

 

 

Besser man ist nicht da, wenn der Fuß mit Schuh kommt! Auch die Spitze des Schuhs tut sehr weh!

 

Auch ein Rücken kann entzücken. Nur nicht in dem Fall.

 

Mein Fazit:

Ich trainiere jeden Morgen in einem anderen Kampf–System oder einem begleitenden System (Kettlebells. kinesiologische Übungen etc.), wobei mir international renommierte Kampfsportler-/künstler und sogar ein Sportwissen­schaftler zur Verfügung stehen (siehe links) um dieses Wissen an die Schüler weiterzugeben.

 

 

Um auch den Schülern das eine oder andere System direkt zugänglich zu machen, werden wir in Zukunft neben den Lehrgängen, in unserer Schule die wir organisieren, auch weitere Kampf- und Sportsysteme neben Kenpo anbieten.

Nach welchem Kriterium der Schüler diese auswählen soll? Nun, ich denke nach Spaß, denn Amateure und Profis haben weder die gleichen Voraussetzungen noch die gleichen Ziele, wie oben beschrieben.

Eventuell sollte der Schüler nach der Ausprägung entscheiden. Ist er eher visuell veranlagt, ist es das Kenpo (Freestyle), das Savate oder die philippinischen Kampfkünste, die ihn ansprechen; ist er kinesthetisch veranlagt, wird das Brazilian Jiu Jitsu oder das CM-Kenpo seine Sache sein usw.

Einmal „reinschnuppern“ hilft schon, und der Trainer weiß dann auch worauf er einen Schüler weiter „einstellen“ kann.

 

 

Fouettè en contre! Savate ist eben Hammer und Meißel!

 

...oder er entscheidet nach der Schwachstelle, die behoben werden soll und han­delt genau entgegen den obigen Kriterien.

Ich meine, dass Kenpo mehr als ausreichend ist, um das Hauptziel zu errei­chen: Die Verteidigungsfähigkeit!

Warum mache ich dann Cross-Training? Siehe oben und weil ich eben gerne lerne und durch die Abwechslung meine Freude am Kenpo erhalte.

Bei aller Wissenschaftlichkeit, sollte immer der Spaß an oberster Stelle stehen, denn der Mensch wird Wissen schneller durch Spaß sammeln. Unser Beloh­nungs­zentrum fördert neues Wissen durch Glücksgefühle, aber das ist wieder eine andere Wissenschaft, die uns weiterbringt.....


In diesem Sinne TCB/S

Robert