Worauf es ankommt oder was man von Anfängern lernen kann
Immer wenn ein Artikel über unseren Club erscheint, rufen mich der Natur der Sache nach, viele Leute an, die nie etwas mit der „Szene“ zu tun hatten.
Sie kommen mit ihren Vorstellungen, Hoffnungen und Gedanken auf mich zu, aber auch mit Neugier und der berechtigten Furcht Dinge tun zu müssen, die sie nicht wollen.
Eine Sache ist immer der Wettkampfgedanke, der Viele abschreckt. Gerade, weil sie neben dem Kampf im Beruf und der Gesellschaft nicht noch mehr Druck brauchen.
Der Sport soll Ihnen Vieles bringen, vor allen Dingen, aber Entspannung und nicht eine erneute Anspannung.
Wie wahr und nachvollziehbar!!!

Ist Kenpo Sport?
Sicher ist das „zu kurz gesprungen“,denn nur ein Teil des Kenpo ist Sport, nämlich der Teil der mit körperlicher Bewegung zu tun hat (und da könnte man sich noch streiten).
Es ist genau dieser Teil, der die Spitze des Eisberges darstellt und der Rest des Kenpo liegt quasi unter Wasser. Es ist der wichtigere Teil, denn er beeinflusst unser Leben in Gänze.
Da es sehr viel ist, was unter der Oberfläche liegt (Biologie, Physik, Psychologie, Philosophie...), sollte man sich immer nur mit Teilaspekten beschäftigen, um die Dinge klarer zu sehen und nicht zu vermischen.

Der Wettkampfgedanke
Sicher gibt es auch den freestyle im Kenpo, aber dieser rein sportliche Aspekt sagt wenig aus über die gesamte Kunst. Der freestyle ist begrenzt auf einen Event, Kenpo selbst ist unbegrenzt und bezieht sich auf das Leben.
Besser gesagt, wie man mit dem Leben umgeht, es bewältigt...
Wenn also schon bei Menschen, die mich anrufen, dieser Aspekt im Vordergrund steht, wenn auch nur als das was man vermeiden möchte, dann muss man sich fragen, ob wir diesen Gedanken alle mit uns tragen.
Anders ausgedrückt kommt der Wettkampfgedanke von ausserhalb ins Kenpo?!

Menschen vergleichen
Wir alle scheinen Bilanzen untereinander aufzubauen und Vergleiche zu ziehen:
Wie gut bin ich denn und wie gut ist der Andere?
Ich bin besser als der Andere

Bringe ich meine Frustrationen als Projektion auf andere Menschen usw.
Wenn der Schüler das wirklich beurteilen könnte (..und das kann er so gut wie nie. Man kann einmal Trainer fragen, die gerade erst anfangen, was sie denn sehen, wenn sie vorne stehen und wie sich die Perspektiven verändern!) stellt er den Trainer in Frage und seine Entscheidungen.
Meine Konsequenz als Trainer gerade in vehement vorgetragenen Forderungen dieser Art war immer gleich. Zum Wohle aller musste der Schüler den Club verlassen, denn immer stecken Menschen Menschen mit Unfrieden an. Dagegen ist Ansteckung mit Frieden wesentlich schwerer zu schaffen.
Wie kommt aber dieser Vergleich mehr oder weniger offene ausgetragen, zustande?
Der Kollege könnte mehr haben, als man selbst, mehr Talent, er könnte schneller vorankommen, er könnte ein höheres Ansehen erlangen usw. Vielleicht kommen diese negativen Emotionen auf, die uns die Energie rauben:
Unzufriedenheit und Neid! ....
...und genau das ist es, was dabei herauskommt, wenn wir unsere Selbstwertgefühl aus dem Messen an einen Anderen zeihen: UNZUFRIEDENHEIT. Eine Unzufriedenheit, die man bald auf die Menschen in seinem Umfeld überträgt.
All das ist menschlich, aber es ist nicht weise, denn im „Kenpo als Lebensweg“, müssen wir uns selbst betrachten. Das Ziel ist es nicht besser zu sein, als der Nebenmann, sondern besser zu sein, als das eigene gestrige Selbst. Da ist für Neid kein Platz!
Betrifft mich das auch selbst?
Ganz sicher, muss(te) ich oft an einer Einstellung arbeiten z.B. wenn ich gesehen habe wie Leute, die weit nach mir mit Kenpo angefangen haben X - degrees höher bewertet wurden als ich, wenn Leute mit orange belt techniques 9th degrees werden und hohe Ehrungen erfahren.
Als ein „grosser Meister“ mir vor einigen Jahren sagte, dass sein Geschenk an mich wäre mir beizubringen, wie ich weitere degrees bekommen könnte ohne Prüfungen, habe ich dankend abgelehnt.
Mit dieser Aussage wurde die gesamte Absurdität des sich Messens klar und mir wurde auch klar wohin der Neid die Menschen treibt. Je grösser die Egos, desto geringer das Wissen, wie wir an obigen Figuren erkennen kann.
Ich beneide diese Menschen nicht, vor allen Dingen dann nicht, wenn ich beim Rasieren in den Spiegel sehe.

Was ist Kenpo?
Zurück zu den Anfängern und den Menschen, die mich fragen, was denn Kenpo ist.
Es ist ein Kampf mit sich und seinen Emotionen, besser gesagt mit den negativen Emotionen. Man muss sich ständig hinterfragen, welche negativen Gedanken einem die Energie rauben wirklich weiter zu kommen, nicht weiter als der Kollege, sondern weiter als das eigene gestrige Selbst und dazu gehört auch und gerade menschlich weiter zu kommen. Sich zu freuen über die eigenen Erfolge und über die Erfolge der Anderen.
Denn nur, wenn der Partner weiter kommt, kann ich an ihm wachsen ohne mich an ihm zu messen.
Auch die eigenen, manchmal scheinbar, kleinen Erfolge muss man lernen, als das zu sehen, was sie sind: Erfolge!

Von den Neuen kann man sehr viel lernen...


Ich seh`Euch auf der Matte

TCB/S Robert