„The Block" oder für wen und gegen was kämpfe ich?

Seit sehr vielen Jahren stehe ich auf dem Standpunkt, dass Kenpo mehr ist als Kampfsport immer unter der Voraussetzung, dass man in der Lage ist die Bewegungen des Kenpo richtig zu verstehen und zu interpretieren.


Darüber schreibe ich ständig in Zeitungen bzw. arbeite mit Journalisten an der Verbreitung dieser besonderen Philosophie, deren Wert nicht theoretisch, sondern praktisch ist. Sie ist eine Lebenshilfe, deren Lektionen sehr schnell zu erlernen sind, weil vor der Umsetzung in die Außenwelt (Privatleben, Berufsleben etc.) der „körperliche Beweis" der Richtigkeit erfolgt.

Die Hawaiianer ebenso wie die Chinesen und Japaner leugnen, dass Körper und Geist getrennte Einheiten sind und auch moderne medizinische Vorstellungen decken sich langsam mit dieser Einstellung.

Vielmehr steht für die alten Kulturen fest, dass beide Seiten unseres Seins einander bedingen.

Demzufolge können wir also an der Körperhaltung eines Menschen erkennen, wie es um seine Psyche bestellt ist und unsere Psyche würde demnach auch bedingen wie man sich körperlich fühlt


Wie sieht es im Kenpo aus?

An diesem „körperlichen Beweis" oder besser gesagt an der Ausführung einer Technik im Kenpo oder eines Basics kann der Kenpo- Lehrer erkennen, wo die mentalen /philosophischen Defizite eines Schülers liegen und diese Defizite gleichzeitig zu beheben (oder verbessern) durch Vermittlung der richtigen  körperlichen Technik.

 

In einem unserer letzten Trainings erschien eine junge Frau die offensichtlich Schlimmes im Leben durchgemacht hat. Ich erklärte den „inward block" und sie führte ihn gegen einen Schwinger so aus, dass sie den Arm des Angreifers mit Wut und Hass weit nach außen schlug.

Sie schlug so hart, dass der vermeintliche Angreifer den Schwung nutzte um ihn mit dem anderen Arm aufzunehmen, der dann erst recht mit voller Energie auf sie zukam und sie traf.

Ich erklärte ihr zunächst „mechanisch" den Sinn des frontalen Kastens vor der Brust des Kenpoists, dessen äußerste Ecken zu decken seien. Auf keinen Fall aber solle man darüber hinausgehen. Der angreifende Arm sei nicht so sehr das Problem wie die Energie des Angreifers, die allerdings nicht von seinem Arm ausgeht, sondern von seiner Gesamtheit des Angreifenden.

 

Wie sieht die Geschichte philosophisch betrachtet aus?

Betrachten wir Gesamtheit des Angriffes - theatralischer Weise in diesem Fall  aus Gründen der besseren Anschauung -  als „das Böse", dass sich hier in böser Energie ausdrückt.

Geben wir auf „böse Energie" des Angreifenden weitere „böse Energie" durch uns, wird daraus die doppelte Energie mit der Folge, dass sie auf uns zurückkommt.

In diesem Fall konnte man es genau sehen und auch fühlen. Man könnte auch interpretieren, dass man sehen kann wie das Böse in uns, uns selbst zerstört. Sichtbar gemacht wurde es nur durch die Umleitung durch einen anderen Menschen.

 

Der Kasten ist ziemlich genau, dass Stück Toleranzschwelle, das man Fremden zubilligt, die sich mit uns unterhalten, aber er sich auch vielmehr:

Er ist die Toleranz eines jeden von uns gegenüber anders Denkenden, solange er diesen unseren Raum achtet und respektiert.

Die Aussage nicht gegen einen anderen zu kämpfen, sondern nur für sich findet hier schon bei den ersten Basics eines Anfängers eine Bedeutung mit der ich als Katholik/Christ sehr gut zu Recht komme. Auch die friedlichen Anhänger anderer Religionsgruppen in unseren Trainings scheinen dies zu bestätigen (wir hatten und haben Christen aller Art, Buddhisten aller Art, Moslems und sogar einen Hindu) und sind uns jederzeit willkommen.

 

Die Vorstellung, dass Kenpo auf die Zerstörung eines anderen Menschen aus ist, wäre schwer oder gar nicht für mich zu ertragen. Allerdings sehe ich in meinem Glauben und damit in der Bibel auch keinen Hinweis darauf, dass ich mein Leben der Aggressivität und der Dummheit eines anderen opfern soll. Wie ich die Dinge sehe begründet der Satz „der Klügere gibt nach" die Weltherrschaft der Idioten! 

Solange wir unseren (Rechts-)Raum, unsere Werte, unsere Ideale, unseren Glauben, unsere Lieben verteidigen (ich beziehe mich hier eher auf allgemeine Menschenrechte), kämpfen wir nicht gegen Andere, sondern nur für uns und unser Recht zu existieren.

Derjenige aber, der in feindlicher Absicht in unseren Raum eintritt (in das blocking Quadrat), der hat ein Problem zuerst mit sich und seiner Weltanschauung und dann mit uns, quasi als dessen Spiegel.

Die Folgen zeigen wir in jedem Training.

Wir geben seine negative Energie nur zurück und mit den Folgen muss er dann leben. Je heftiger er Energie gibt, desto schlimmer sind seine Verletzungen. Selbst noch als Kenpoists Energie zu geben ist also kaum nötig!

Man könnte auch sagen:

Verteidigen wir aber wiederum nur unseren Rechtsraum, so verletzen wir auch keinen anderen Menschen, sondern der Mensch verletzt sich an uns.

Wie diese Arbeit in das Leben anderer Menschen eingreift, schildern uns täglich unsere Schüler, die Rechtsanwälte sind oder Schreiner, Ärzte oder Schlosser, Steuerberater oder Polizisten, Rentner oder Schüler.

Sie alle schildern uns den Einsatz der Prinzipien in ihrem Beruf oder dem Privatleben so eindrucksvoll und ohne jede körperliche Gewalt, dass ich nach 28 Jahren Kenpo und 42 Jahren Kampfkunst/Sport immer noch mehr als erstaunt bin.

 

Warum schreibe ich das?

  1. Weil Kenpo und das Lernen über den Körper diese Werte schneller und eindeutiger vermittelt, als das Lesen philosophischer Schriften allein!
  2. Weil im philosophischen Teil des Kenpo es für meine Begriffe mehr als genug ist immer nur von Ed Parker abzuschreiben.
  3. Weil unser Training und die Lernmethodik bei Cogito Meum - European Integrated Kenpo Systems genau darauf in den Trainings aufbaut und diese besonders betont. Das ist einer der wesentlichen Unterschiede zu anderen Kenpo- Schulen von denen sicher die meisten großartige Arbeit leisten auf Ihre Art und Weise.

.........nicht schlecht für das erste Anfänger - Basic, dem Block, oder ? 

TCB von

Robert Fuhr