Kenpo und Philosophie

Meine letztes Training im Lehrerkkreis war wirklich denkwürdig, denn wieder einmal zeigte uns Kenpo einen besonderen Weg.

Nicht für den Kampf, sondern vielmehr für das Leben und die Bewältigung der Unwägbarkeiten.

Die meisten von Euch kennen die Technik clutching feathers (Griff in die Haare und der Versuch zu schlagen).

Ich liess meine Schüler zuerst diese Technik machen, die natürlich alle brillant beherrschten.

Dann wandte ich das CM - Prinzip des „Passe Partout“ an und wollte, das sie genau diesen technischen Bewegungsablauf auf einen jab anwenden sollten.

Obwohl sie wie oben beschrieben es perfekt beherrschten in der „Griff/Schlag Variante“, fiel es Ihnen schwer die Tecchnik auf einen Jab anzuwenden. Sicher hätten sie sich verteidigen können und mein Kompliment dafür, dass niemand nur da stand wie das „Kaninchen vor der Schlange“.

Jeder fand eine Variante im Millisekundenbereich, aber das war nicht die Aufgabe. Die Aufgabe war den gleichen Bewegungsablauf auszuführen.

Anders ausgedrückt in Kenpo-Sprache:

Andere Frage, gleiche Antwort!

Erst nach einiger Übung gelang es Ihnen wieder nahezu perfekt Frage und Antwort zu vverbinden.

Dann verlangte ich die Technik auf einen Jab/Cross anzuwenden.

Wieder gab es das gleiche Bild. Jeder machte etwas, aber keiner beantwortete die „andere Frage“ mit der „gleichen Antwort.“

Zweifellos war die Frage komplexer als die erste, aber die Antwort (der Bewegungsablauf von clutching feathers war bereits mehrmals erfolgreich ausgeführt worden.)

Nach ein ein paar Erklärungen und eie paar Versuchen war wieder der sehr gute Stand da.

Wir hatten also ca. 20 Minuten damit verbracht etwas auszuarbeiten, was allen Anwesenden bereits seit Jahren bekannt war, dass sie beherrschten wie kaum etwas anderes und trotzdem waren 20 Minuten des Übens vergangen.

Gehen wir einmal davon aus, dass alle im Raum sehr intelligent, trainingsfleissig und Kenpo begeistert waren und trotzdem brauchten alle 20 Minuten um eine Technik zu lernen, die sie lange beherrschten.

Wie kann so etwas möglich sein?

Es war die die Umwelt, die sich verändert hatte oder besser gesagt die Situation oder noch besser das Problem hatte sich gewandelt.

Die Konzentration auf das Problem hat alles verändert, obwohl die Schüler die Lösung bereits lange kannten.

Die Konzentration auf das Problem hielt sie also auf, es liess sie (unnütze) neue Wege erfinden, es verlangsamte sie so sehr, dass die Konzentration auf das Problem Ihnen  ca. 20 Minuten Lebenszeit stahl.

Die Konzentration auf die Lösung allerdings hätte Ihnen 20 Minuten Freiraum gegeben für andere Dinge; für neue Lösungen, die wiederum die Abkürzung bringen.

Eine positive Kettenreaktion.

Ist das nicht eine fantastische Metapher für das Leben?

Wie viel Lebenszeit können wir sparen, wenn wir lösungsorientiert arbeiten, uns nicht mit dem Problem aufhalten, sondern uns den Lösungen widmen?

Es würde uns sogar aufgehen, dass wir die Lösung bereits kennen,wenn wir uns darauf konzentrieren, was uns nie einfallen würde, wenn wir nur das Problem sehen.

Je öfter wir es (im Leben)  anwenden, desto schneller geht es, desto mehr Lebenszeit sparen wir.....und am Ende macht wohl die Lösung von Problemen/Situationen glücklich.

Ich seh´Euch auf der Matte.

TCB/S

Robert