Was ist Cogito Meum Kenpo?

Derzeit werden viele Fragen von Schülern und aus dem Internet an mich herangetragen, ob sich denn das CM Kenpo von anderem Kenpo unterscheidet und wie?

Meine Antwort ist so ambivalent wie es der Meister war:
Unser Kenpo unterscheidet sich vom Kenpo aller Clubs, die ich kenne, weil ich mich streng an die Vorgaben des Meisters halte (damit bin ich wohl ein Hardliner und Traditionalist) und die Vorgabe des Meisters ist:
STÄNDIGE VERBESSRUNG DES SYSTEMS nach State of Art in allen Bereichen, womit ich wohl mehr als progressiv das System vorantreibe. Ein wirklicher Kenpoist ist eben ein Revolutionär aus Tradition.
Das System bedeutet hier das Lern- und Trainingssystem, denn ich gehöre nicht zu den Traumtänzern, die angetreten sind, Kenpo mal eben zu verbessern, weil sie solche Genies sind.


Eigentlich sind die meisten sogenannten Verbesserer nur Verbesserer, um eigene Unzulänglichkeiten auf das System zu schieben; und damit es nicht auffällt, wird es dann kurzerhand „verbessern" genannt. Das meiste was ich sehe, ist eine „Verschlimmbesserung"!
Meiner Auffassung nach, verbessere ich zuerst einmal mich, bevor ich ans System gehe und das gilt auch für meine Schüler.
Vielleicht bin ich ja weniger talentiert als andere, aber es ist mir in mehr als 32 Jahren Kenpo nicht gelungen, das System zu verbessern, obwohl ich es in jedem Training auf die Probe stelle.
Neue Optionen sind mir vielleicht gelungen, andere Sichtweisen und Anwendungen, die möglicherweise unentdeckt geblieben sind, aber das System habe ich nicht verbessern können.
Ich habe mich, meine Trainer und Schüler verbessert, und ich finde, das ist der erste und wichtigste Schritt.

 

Als wir in den 70ern auftauchten in Deutschland, waren wir Kenpoists Revolutionäre, die sich gegen das Establishment gewandt haben.
Wir haben uns gegen die Leute gewandt, die seit 200 oder mehr Jahren das Gleiche machten, obwohl sich die Umwelt, die Kultur, das Gesetz und alles andere um sie herum, lange verändert hat. Wir sind gegen die Leute gewesen, die nur im „Prestigeland" gelebt haben und Gürtel „groß-herrlich verliehen" haben.
Die, die keine neuen Erkenntnisse bringen, aber das Alte immer wiederkäuen und sich als Meister fühl(t)en, waren nie unsere Freunde.
Es sind diejenigen, die in Formalien soweit erstick(t)en, dass sie nicht mehr zum eigentlichen Training kommen.
Die Leute, deren Gis vor und nach dem Training trocken und gebügelt waren, und trotzdem große Reden geschwungen haben, haben wir verachtet.

Wenn man den Meister, Ed Parker, nicht kannte und man sieht sich heute Interviews auf youtube mit ihm an, wird man schnell verstehen, was er am meisten verachtet hat: Dummheit, Arroganz, Stillstand, Establishment.
So gesehen, bin ich ein sehr strenger Traditionalist im Sinne Ed Parker's.
Ihn haben die Leute gestört die „real Karate" machten und so hat er auch in einer TV - Show gesagt, indem wieder mal so ein Typ „mit trockenem Gi ihm vorwarf, er mache kein „real Karate":" When pure knuckles meet pure flesh, I don give a dime on who you are, it is pure Karate!"
Der Mann schwieg danach, weil Ed Parker eben auch die Angewohnheit hatte, Dinge sehr schnell zu beweisen.
Wenn also heute jemand sagt, dass er „real Kenpo" mache, dann sage ich dem, dass ich Fuhr-Kenpo mache und noch schlimmer, dass all meine Schüler ihr eigenes Kenpo machen, mit ihrem Namen darauf. Wer sich daran nicht erinnert, soll sich noch einmal vor Augen halten, dass sich Kenpo dem Menschen anpasst und nicht der Mensch dem Kenpo.

Ed Parker zu folgen bedeutet im Vergleich zu den „Wiederkäuern" allerdings ein Revolutionär zu sein und die Schüler, die die dem folgen, sind es ebenfalls.
Es ist eine alte Erkenntnis, dass die Revolution ihre Kinder frisst oder sie zu Angepassten macht, und so scheint es vielerorts auch mit dem Kenpo zu geschehen.
Ich würde jedenfalls lieber gefressen werden als meine Überzeugung zu verraten für ein Stück Stoff um meine Hüften.
Ich denke, dass sich sehr viele, die sich einbilden Kenpo zu machen, egal welcher Rangstufe, sich gar nicht mehr mit Kenpo verteidigen können. Ist so schon vor mir und meinen Leuten von einem Brown belt geäußert worden, der jetzt allerdings den Black belt (geschenkt, verliehen oder was auch immer) hat.

Trotzdem ist eine Sache klar: Wenn ich mich mit all meinen Kontrahenten an einen Tisch setzen würde, und die Frage würde lauten, was Kenpo bringen muss, wären wir uns in wenigen Minuten einig.
Es muss straßentauglich sein, schnell, stark, effektiv, kraftvoll usw.

Wenn die 2te Frage lauten würde, wie man es denn dem Schüler vermittelt und natürlich wie man es selbst trainiert, wären wir uns in 15 Sekunden einig und den Rest des Tages käme das große Schweigen oder das ständige Wiederholen alten Wissens.
In den 15 Sekunden würde man wohl Basics, Techniken, Formen, Sets und freestyle aufführen: Die Antworten des Establishments eben.
Die Antworten sind nicht falsch, aber ebenso wenig neu, effektiv oder sinnvoll wie die bunten Gürtel an ihren Hüften.
Wozu dient Kenpo?

1. Der Gesundheit
2. Der Verteidigung
3. Der Schaffung einer praktischen Philosophie

Was hat der geschafft, der weder Sport gemacht hat, noch sich verteidigen kann, noch die Bewegungen in eine Alltagslebenshilfe umsetzen kann.
Die Antwort: Er hat seine Zeit verschwendet, und wer seine Zeit verschwendet, verschwendet sein Leben.

Konkreter:
Wie viel kann denn ein Schüler am Ende des Tages lernen, der in einer Unterrichtsstunde sich aufwärmen, die Basics machen, 12 oder 24 Techniken, Formen, Sets und freestyle machen muss, dabei noch nicht einmal geschwitzt und auch keinerlei Erkenntnis über sich gewonnen hat.
Die Antwort: Er kann am Ende nichts so gut, dass es für die Realität ausreichen würde.

Ideen, Dogmen und Doktrinen:
Es sei auch angemerkt, dass eine Technik eine Idee ist, und diese Idee nicht den alleinigen Anspruch auf Wahrheit hat. Wahrheit ist vielschichtig und das Training muss ebenso vielschichtig sein. Unverhofft kommt eben oft, wenn man Plinius glauben schenken darf.

Genau in diesem Argument liegt es, ob eine Idee einen Menschen frei macht oder ihn dogmatisch beschränkt, oder sogar zum Dogma wird. Das bloße herunterleiern einer Technik, deren bloße Form alleine korrigiert wird, aber nicht deren Inhalt, wird sinnlos; aber es reicht, um einen Menschen zu fesseln. Zu fesseln, weil man ihm vorgaukelt, er erreiche ein Ziel und wenn es nur ein lächerlicher Gürtel ist. Das ist Unfreiheit pur.

Idee und Realität:
Jeder unter uns, der einen Beruf hat, sollte sich einmal fragen, wofür er sein Geld bekommt.

Für die Idee, wie man Stein auf Stein setzt oder für das mauern an sich?
Für die Idee, wie ein Zahn aussieht oder wie man ihn behandelt?
Für die Idee, wie ein Auto aussieht und es bewegt, oder für das Reparieren des Fahrzeugs?

Die Antwort liegt auf der Hand, oder ? ...und genauso wird auch die (EINE) Idee einer Selbstverteidigungssituation den Schüler in der Realität wohl kaum weiterbringen, sondern eher die Erkenntnis, wie man die Idee realistisch, kreativ und oft zur Anwendung bringt. Willkommen in der Realität!

Deshalb reichen Basics, Formen, Sets und Techniken im CM-Kenpo nicht mal annähernd aus, um das System zu vermitteln:

Sehen wir uns die Basis und den Kern der Situation an (ich vermeide das Wort Problem), der aus einigen wenigen Grundfragen besteht, die es zu lösen gilt. Genau daraus sind die CM-Drills und deren Prinzipien entstanden:

Wie bringt man Basics und Techniken schnell, sicher und effektiv an den Schüler?
Wie macht man einen Schüler schnell spontan in seinen Techniken?
Wie entsteht die Brücke von Vorkampf zu Kampf?
Wie findet man den Eingang?
Ist Vollkontakt die Frage darauf, sich realistisch verteidigen zu können?
Wie real ist es, sich auf der Straße verteidigen zu können, wenn man durch den Vollkontakt im Training schon verletzt ist?
Wie kann man möglichst realistisch in jedem Alter trainieren, ohne sich zu verletzen?
Wie nutzt man die 90-Minuten-Trainings optimal für die Ziele, Gesundheit, Verteidigung, Transfer?
Wie bleibt der Schüler motiviert, denn fehlt die Motivation bleibt am Ende alles auf der Strecke?
Ein Großteil der Motivation ist eben der Spaß an der Sache.

Zentral in all diesen Fragen sind die CM-Trainingsmethoden, die ich kurz nur drills nenne, und die nach meiner Erfahrung in keinem Kenpo Club auf diese Wiese oder überhaupt gemacht werden.

Diese lassen sich wiederum teilweise aufteilen in Flow drills und weitere, die sich nicht alle einfach kategorisieren lassen.
Ebenso zentral sind aber die Techniken (und Basics, ohne die nichts funktioniert), deren ständige Verbesserung in Timing und Präzision (und Routine) ebenfalls deutlich verbessert werden muss.

So entstanden zumindest 3 Arten von Drills:

  1.  Die CM-Basic-Flow Drills in der Anwendung. Sie verbessern die Basics am Partner und realistisch in Situationen.
  2.  Die reinen CM-Technik-(Flow)-Drills, in denen die Technik im Schnitt 20 – 30 mal so oft trainiert wird, wie in den herkömmlichen Verfahren in der gleichen Zeit : Zusätzlich lernt der Schüler Distanzverhalten, Schrittfolgen, Deckungsarbeit, Kompensation, die Atmung unter Kontrolle zu halten, den Raum zu beherrschen u.v.a.m.
  3.  Die CM-Trägerdrills, die dazu dienen, ab einem gewissen Kontakt die Technik spontan und frei fließen zu lassen, wodurch der Schüler wieder sehr schnell und spielerisch lernt, dass eine Idee nur eine Idee ist. Dabei ergeben sich Kombinationen aus vielen Techniken und auch solche, an die nie jemand gedacht hätte. (Zuletzt war ein Schüler erstaunt, dass man locking horns (Schwitzkasten von vorne) gegen einen rechten Schwinger anwenden kann, und er hat es selbst gefunden).

Darüber hinaus haben wir im CM-Kenpo Verfahren der Verbesserung entwickelt, die die Kreativität schulen so z.B. CM-Wildcard-Drill, CM-Point of Origin Drill, CM-Technical Shadow Boxing, CM-Nexus-Kenpo, CM-Schnittstellen–Kenpo, CM-Free Rapid Reaction-Drill, CM-Cluster, CM-Endless Motion Technique u.v.a.m.
Insgesamt haben wir 28 Prinzipien im CM, die im klassischen Kenpo nicht auftauchen. Darin sind nicht die Trainingsmethoden eingebunden zur Verbesserung der Gesundheit.
Mit diesen und vielen weiteren Drills, lernt der Schüler nicht nur kreativ zu sein in einer „What-if -Situation", sondern er lernt spontan kreativ zu sein mit einem sehr schnellen Lernerfolg.

Es stellt sich aber auch die Frage, ob die vielen Trainingsmethoden die Schüler nicht überfordern, und genau das war am Anfang auch meine Befürchtung. Wie sich herausstellte, war diese unbegründet.
Nach meiner Erfahrung und die unserer Trainer, wird der Schüler durch „bohrende Langeweile" im Training überfordert, in der sich oft nur der Lehrer gefällt, der das Basic im marginalen Bereich noch ein bisschen besser einstellt und das über Stunden trainiert.
Wenn das über Stunden geht, hat der Schüler neben der Langeweile zusätzlich noch ein mageres Erfolgserlebnis.
Man stelle sich einmal vor, man berichtet über das Erfolgserlebnis eines solchen Trainings, und das sollte man sich einmal bewusst machen:
Ich habe gelernt den Block jetzt um „5 Grad„ zu verbessern oder wenn er Glück gehabt hat: „Wir haben wieder die orange Techniken geübt."

Was lernt der CM Schüler in einem Training in der gleichen Zeit?

Bewusst:

• Z.B. die orange Techniken (20 -30 Mal so oft wie herkömmlich vermittelt).
• Mindestens 3 Optionen/Techniken, davon 2 selbst gefunden.
• Alle notwendigen Basics, die er den Techniken zuordnen kann.
• Reaktives und spontanes Einsetzen der Technik.
• Abwandeln der Techniken nach Situationen
• Anwendung an Geräten
• Neue körperliche Methoden zu Technik Steigerung und Formen in Anwendung.

Unbewusst:

• Schnelles Reagieren
• Verbesserung der Basics durch praxisorientiertes Training
• Distanzverhalten durch Aktion/Reaktion zum Gegner

Er hat außerdem etwas für seine Gesundheit getan, weil das CM Kenpo-Training auch ein Sport ist und man schwitzt, neue Kraft- und Ausdauerübungen lernt usw.
Die meisten Dinge sind mit Sportlehrern und Physiotherapeuten entwickelt worden.
Keiner kommt mit einem trockenen Gi in der Tasche nach Hause.

Wer hat wohl mehr Spaß gehabt, wer hat seine Zeit effektiver verbracht und wer wird wohl begeistert mehr zu erzählen haben?
Jedes CM Training muss ein sichtbarer, messbarer, schilderbarer Erfolg sein!

Übrigens: Wenn in einem schnellen Drill der Block nicht stimmt, wird der Schüler das sehr schnell erfahren und wird ihn automatisch richtig einstellen. Soviel zum Lernen ohne zu lernen.

Die Grundforderungen sind klar, also machen wir etwas daraus.
In den nächsten Wochen werden wir einige der Trainingsprinzipien vorstellen, aber wer sie wirklich kennenlernen möchte, muss sich uns wohl anschließen (-:

In diesem Sinne.
Ich seh' Euch auf der Matte. Kein Geschwafel, nur Kenpo!

TCB/S
Robert