1st Strike

Angriff bedeutet im allgemeinen strategischen Sinne das Ergreifen der Initiative in einem Scharmützel, einem Gefecht, einem Treffen oder in einer regelrechten Schlacht. Friedrich Engels, (1820 - 1895), deutscher Philosoph und sozialistischer Politiker, gemeinsam mit Karl Marx auch Autor Quelle: »The New American Cyclopaedia«

 

Das System hinter dem System

Gibt es denn so etwas eigentlich? Ein System hinter dem System Kenpo oder hat man eigentlich die Dinge nur vergessen und CM – Kenpo  schmückt sich mit fremden Federn?

 

Nun, gehen wir einmal davon aus, dass die Clubs einfach sehr viel vergessen haben, weil deren Lehrer nicht mehr das Ganze beherrschen oder Dinge einfach durchziehen ohne deren Sinn zu verstehen.

Ed Parker hat das System so angelegt, das man nicht nur das gesamte Bewegungspotential eines Menschen (Kenpoist) beherrschen sollte und die Zusammensetzung nach naturwissenschaftlichen und weiteren wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern darüber hinaus sollte der Lehrer Forscher sein und sich und die Gruppe entsprechend lehrend weiterbringen.

Deswegen sind die vergebenen oder verschenkten Titel vieler Schulen ab der 5th degree auch Professor in verschiedenen Abstufungen. Leider sind diese Titel bei sehr vielen Kenpoists nur noch (unnötige) Tradition, da es einem Amateur, der täglich hart arbeiten muss, kaum möglich ist, an die 200 Techniken, 9 – 11 Formen und unzählige Sets zu beherrschen und dann soll er noch lehren und forschen.

Wer keine Schüler hat kann es direkt vergessen, denn es sind die Schüler, die immer Gegenstand und Träger dieser Forschung sind, geleitet vom Lehrenden.

Die Forschung ist aus dem Grund so bedeutend, damit sich das Kenpo nicht immer weiter verwässert, weil der Schüler immer weniger kann als der Lehrer usw.

Da es aber unerforschte Gebiete gibt oder Gebiete, die nicht alle gelehrt werden können aufgrund des oben beschriebenen Zeitaufwandes, hat der Meister (Ed Parker) Einiges nur angedeutet und überlässt sie der Forschung für diejenigen, die denn forschen  und nicht denjenigen, die immer nur das gleiche „Lied vom Blatt“ spielen wollen.

Er hat die Techniken, die wir heute lehren, ausgewählt nach Angriffshäufigkeit also nach statistischer Wahrscheinlichkeit und hat das genau richtig gemacht, denn man muss zuerst einmal überleben, um tiefer in die Materie einzusteigen.

Es geht im Kenpo nicht darum zu siegen, auch denn der Sieg ein Teil des Ganzen ist; es geht her um das Überleben in einer Gefahrensituation.

Sicher muss man die Techniken wiederholen, aber es ist uns im CM - Kenpo zuwider, nicht nachzudenken über deren tieferen Sinn.

Wir machen die Wiederholungen attraktiver, die Reaktionen spontaner und schneller durch die CM Kenpo- Drills:

CM - Flow Drills (geführt, ungeführt, frei; Themen flow drills, Focus flow drills), durch die CM - Endless Motion Technique, durch Varianten und das  CM - One to Many oder Ignoranz-Prinzip u.v.a.m.

Wenn man allerdings das Vergessene wieder entdeckt, ist das (auch) Forschung; wenn man etwas hinzugeben kann auf Grund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ist das bedeutende Forschung und beschreibt fast ein neues Gebiet.

 

Chancen multiplizieren sich, wenn man sie ergreift. Sunzi, (um 500 v. Chr.), alternative Schreibweisen: Meister Sun, Sun Tzu, Sun Tse, Ssun-ds, chinesischer General und Militärstratege, »Die Kunst des Krieges«

 

Genau um diese Forschung geht es bei der Präventivarbeit!

Wir alle kennen Kenpo als eine defensive Kampfkunst, die sich lieber zurückzieht als angreift und eher reagiert als agiert.

Sehen wir uns dennoch einmal den Notwehrparagraphen im deutschen Gesetz an und dessen Kommentierung:

Zitat Anfang:

„Der „Notwehrparagraph“ § 32 StGB

1. Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.

2. Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem andern abzuwenden.

Erläuterungen zu Absatz 1:

Eine an sich rechtswidrige Handlung (z.B. einen anderen treten) wird, wenn diese Handlung in Notwehr geschieht zur nicht rechtswidrigen Handlung und ist somit vom Gesetz her gestützt.

Erläuterungen zu Absatz 2:

„Notwehr ist die Verteidigung...“

In Notwehr handelt jemand, wenn es sich um eine Verteidigungsaktion handelt. Was auch durch den Gesetzestext „um ... abzuwenden“ deutlich wird. Es kann sich hierbei auch um einen Gegenangriff handeln, wenn die Schädigungsabsicht des Angreifers klar erkennbar ist und der Angriff unmittelbar bevor steht. Die Notwehrhandlung muss sich immer gegen den Angreifer selbst richten.

„...die erforderlich ist...“

Die Notwehrhandlung ist so lange vom Gesetz geschützt, wie sie den zur Abwehr des Angriffs erforderlichen Rahmen nicht überschreitet.

M. Baus, ein Polizeihauptmann und Ausbilder für Nahkampf bei der Bereitschaftspolizei in Hanau*, sagt hierzu :“Erforderlich ist ... die Art der

Verteidigung, die im konkreten Fall nötig ist, um den Angriff endgültig zu brechen und dabei den geringsten Schaden anrichtet. ... Die Abwehr muss sich nach der Stärke des Angriffs richten, eine sofortige und endgültige Beseitigung der Gefahr ist anzustreben.“

„ ... einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff ... “

Ein rechtswidriger Angriff ist eine Aktion, die die Schädigung von Rechtsgütern wie Leben, Gesundheit, Eigentum aber auch Ehre und Religion zum Ziel hat und nicht durch andere Rechtfertigungsgründe abgedeckt ist.

Gegenwärtig ist ein Angriff, der unmittelbar bevorsteht, gerade stattfindet oder noch andauert. Der Angriff dauert so lange an, bis dem zu schützenden Rechtsgut keine Gefahr mehr droht oder der Schaden in vollem Umfang eingetreten ist.

„ ... von sich oder einem andern ...“

Per Gesetz ist es gleich, ob ich mich, ein Familienmitglied, oder eine fremde Person verteidige.

„ ... um ... abzuwenden.“

Die Notwehr ist beendet, wenn vom Angreifer keine Gefahr mehr droht.

Zum Prinzip der „Verhältnismäßigkeit der Mittel“:

Die Notwehrhandlung darf nicht in krassem Gegensatz zum Angriff stehen. Sie muss sowohl der Person des Angreifers, als auch dessen Aktion angepasst sein.

Sind Waffen im Spiel, so ist von einem sehr hohen kriminellen Gehalt des Angriffs auszugehen. Auch hier ist eine härtere Abwehraktion gerechtfertigt, als bei einem Angriff ohne Waffen. Gleiches gilt wenn mehrere Personen gleichzeitig angreifen.

Beispiele:

Ein Festhalten und Wegziehen an der Hand von einem 14jährigen Jungen kann ich nicht mit der gleichen Aktion beantworten wie bei einem 32jährigen 2-Meter-Mann.

Wenn der 14jährige Junge noch vier 17- bis 25jährige Freude dabei hat, die im Begriff sind ihm zur Hilfe zu eilen, darf ich härter agieren, als wenn der Junge alleine ist. Gleiches gilt, wenn der Junge, der mich festhält in der anderen Hand ein Messer hält.

Eine Beleidigung (Angriff auf meine Ehre) muss ich nicht tatenlos hinnehmen. Allerdings kann ich nicht so agieren, als fände gerade ein Angriff auf meine Gesundheit, oder mein Leben statt.“ Zitat Ende

 

Das oben Gesagte bezieht sich teilweise auf die Präventiv – Arbeit, die in den meisten Kampfsportarten so nicht gelehrt wird oder wie wir im Club sagen auf das „CM 1st Strike“.

Das Kenpo defensiv ist, soll in keiner Weise in Frage gestellt werden; allerdings gibt es Situationen, in denen auf einen Angriff (besser) nicht „gewartet“ werden kann, sondern in denen man sich und Dritte (schnell) schützen muss,bevor der Schaden entstanden ist, indem man eben präventiv arbeitet.

Diesem Aspekt wurde in den meisten Kampfkünsten, so seltsam es auch klingen mag, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und so auch im Kenpo - wie ich finde.

Allerdings hat das Genie Ed Parker alles im System angelegt, man muss es nur finden und wie in unserem Fall mit den Dingen kombinieren die offensichtlich sind und neuen Aspekten des Systems. Vielleicht wurde es auch nur vergessen und jetzt erst wieder entdeckt.

Dieses „System im System“ basiert auf neuen Techniken, die (Angriffs-)Eingänge zeigen, auch gegen Gegner, die ebenfalls ein Kampfsystem beherrschen, und führen z.B. in unsere gewohnten Techniken. Die Eingänge sind immer offensiv.

Als Erweiterungen haben diese Techniken, richtig ausgeführt, neue flow drills, mit denen die Partner mit sehr viel Spaß haben und sehr effektiv trainieren können.

Alles basiert auf unseren Basics und so ist das Üben der CM 1st strike - Techniken eher so etwas wie eine Erinnerung und nicht wie das Erlernen eines anderen, neuen Systems. Des weiteren führen sie also auch dazu, die beresst bekannten Kenpo – Techniken deutlich zu verbessern.

Ich bezeichne es als:

 

Präventiv(schlag)- CM-Kenpo oder

CM–Kenpo 1st strike!

Was ist ein Präventivschlag nach wissenschaftlicher, philosophischer und ethischer Ansicht?

Als Präventivschlag bezeichnet man einen Angriff, der einem angeblichen oder tatsächlich drohenden Angriff eines Gegners zuvorkommt und diesen vereiteln soll: also eine Offensive ins defensiver Absicht.

 

Definition frei nach Wikipedia

 

„Der Präventivschlag führt

entweder zu einem so genannten Enthauptungsschlag, der dezidiert die Führung der gegnerischen Streitmacht schwächt oder vernichtet (bzw. die des Landes, dem aggressive Absichten unterstellt werden) oder zu einem (regulären), einem Kampf, der unter anderem verhindern soll, dass weitere Kampfhandlungen auf dem eigenen Territorium (Haus, in der Nähe der Familie oder auf einem für sich ungünstigen Grund) ausgetragen werden

Ein Stillstand der militärischen Aktionen ist in der Regel nicht Ziel des Vorgehens.

Präventivschläge werden als vorweggenommene Verteidigung gerechtfertigt, da der bevorstehende Angriff des Gegners nur vorweggenommen wird, um den Vorteil des Angreifers der eigentlich bedrohten Seite zukommen zu lassen. Gegner dieser Argumentation führen an, dass sich auf diese Art fast jeder Angriffskrieg in eine Verteidigungshandlung umdefinieren ließe.“

 

Was bedeutet der „Präventivschlag“ im CM-Kenpo?

Der Präventivschlag ist eine offensive Verteidigung, die den Gegner zum Einhalten der Kampfhandlung bringen soll durch Kampfunfähigkeit oder durch bessere Erkenntnis.

Der Präventivschlag wird genau dann angewandt, wenn einer bevorstehenden Kampfhandlung nicht mehr ausgewichen werden kann, die Gewalt des Angreifers sich auf Dritte übertragen hat oder sich unmittelbar bevorstehend auf Dritte überträgt und man im Rahmen der Nothilfe eingreifen muss.

Ferner ist der Präventivschlag dann gerechtfertigt, wenn sich der Angreifer als Kampfsportexperte zeigt. Dies kann durch eigene verbale Äußerungen oder die Dritter erfolgen oder durch optische Signale (Kampfstellung). Hierbei sprechen wir von einer Duellsituation.

Bitte beachtet, dass es sich sicher nicht um eine juristische Definition handelt und dass Ihr immer für Eure Handlungen verantwortlich seid. Ich gebe aber auch zu bedenken, dass es immer eine moralische Komponente gibt, die man mit sich ausmachen muss und nach deren Maximen man handeln sollte.

Es ist allerdings auch nach dem Gesetzgeber für einen Verteidiger nicht zumutbar in einer eindeutigen Situation (der Angriff steht unmittelbar bevor!!!), solange zu warten bis der Aggressor die Initiative ergreift und sich dadurch eine endgültigen Vorteil verschafft.

Weiterhin gibt es auch eine Neigungskomponente, der wir versuchen gerecht zu werden, denn es gibt den Typus des defensiven Verteidigers und die des „Vorwärts - Verteidigers“

 

...und wir wären auch nicht im CM - Kenpo, wenn wir nicht etwas auf das Ed Parker Präventiv-System drauf setzen würden, denn mittlerweile hat sich die Situation auf der Straße geändert und wird damit zum Gegenstand neuer Forschung (s.o.).

Die Nothilfe (Schutz einer Dritten Person)ist hier exemplarisch zu   nennen.

 

*Quelle: www.kickboxen-marbach.de/down/Notwehr%20Paragraph.pdf

Sowie nachfolgende Absätze entlehnt!