Kenpo und Philosophie - Kenpo und Huna

Ist Kenpo hawaiianisch?

Diese Frage tauchte im www auf und hat auf dem Niveau, auf dem sie benutzt wird, einfach zu wenig Substanz, als das man sie beantworten sollte.

Es ist einfach nur Unsinn, dass derjenige das bessere Kenpo macht, der es amerikanisch nennt oder Amerikaner ist oder es chinesisch mit einem japanischen Wort (Karate) benennt oder oder oder. Ed Parker hat sich immer darüber lustig gemacht, weswegen man annimmt, dass ein Asiate besser kämpfen könne, als ein Mensch europäischen oder afrikanischen Ursprungs.

Dann bleibt allerdings die Frage offen, warum man sich überhaupt mit dem Thema beschäftigt.

Ganz einfach, weil hinter einer oberflächlichen Betrachtungsweise sehr viel mehr steckt, als man annehmen könnte: Kenpo beinhaltet ein Lebens-System, hinter dem Hawaii steht.

Dieses System basiert auf 7 sehr einfachen Grundsätzen. Mit einem davon möchte ich starten:

Pono - Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit

In dieser Philosophie reichen eben nicht bloße Lippenbekenntnisse, was man tut und wie man es getan hat (noch schlimmer, weil man damit seine Entwicklung abschließt), sondern man muss Dinge tun, zeigen und weitergeben können.

Exakt darum geht es bei dem Lebenssystem, das die Hawaiiner Huna nennen und das zumindest dem CM- Kenpo zugrunde liegt.

Exkurs:

Ich schrieb im Purple Belt Manual die folgenden Zeilen:

„Wir können heute sehr sicher sein, dass obwohl Ed Parker die chi­nesische Kultur sehr bewundert hat und viele seiner Ideen auch aus China stammen, seine eigene Kultur allerdings ihn sicher noch mehr beeinflusst hat. Der Verfasser hat aus verschiedenen Quellen er­fahren (Ed Parker jun., Mike Pick, Solomon Kaihewalu u.v.a.m.), dass Ed Parker sen., wie schon in vor­herigen Manuals erwähnt, Lua praktiziert hat, die alte hawaiianische Kampfkunst.

Rainer Schulte, einer meiner früheren Trainer und der Mann, der mich zum Kenpo brachte, sagte mir, dass der Spitzname Ed Parkers „The great Kahuna" war. Kahunas waren die Wissenden eines Stammes in der hawaiianischen Tradition. Es waren die hohen Priester, die sich auf Themen spezialisiert hatten wie Navigation, Heilkunst oder eben das Lua.

(Im Blue Belt Manual dazu mehr).

Kenpo ist so durchzogen von Lua, dass man schon sehr unwissend sein muss um es nicht zu sehen. Die yellow belt Techniken, die erst sehr spät ins Kenpo kamen, sind meiner Meinung nach eine Verneigung an das Lua. In einem Buch über Lua, das auf dem Markt nicht mehr existiert, kann man das sehr genau erkennen (Lua- A Fighting Chance).

Sehen wir uns die Grundkonzeption des Huna an:

„Ku" ist das Unterbewusste, „Lono" der Intellekt und „Kane", das Göttliche selbst, also die Schaffenskraft des Menschen (eventuelle Übereinstimmung mit moderner Psychoanalyse sind erstaunlich, oder?)

So und nicht anders sind auch unsere Techniken aufgebaut:

Ku sind die basics, die solange geübt werden bis unser Unterbewusstsein es als sein eigenes natürliches Selbst anerkennt.

Lono sind die Techniken, die auf Wissenschaft (Intellekt) beruhen und ausgefeilt sind in sehr vielen Ebenen (Sublevels), von denen jede Einzelne etwas bedeutet.

Aumakua (auch oft in der Literatur als Kane bezeichnet) ist das, was wir aus dem Ganzen machen. Also unsere Schöpferkraft, unsere Individualität und schließlich und am Ende das, was wir sind.

Wir sind immer das, was wir geleistet und erarbeitet haben.

Bevor wir uns überlegen, was wir erarbeiten, bewusst oder unbewusst, sehen wir uns einmal die Philosophie der Hawaiianer an, die hinter dem Gedankengebäude steckt.

Es ist wichtig darauf einzugehen, was die Mentalität der Hawaiianer geprägt hat, im Allgemeinen und im Besonderen die Mentalität von Ed Parker. Ein Mann, der sicherlich diese unglaubliche Weltoffenheit, gepaart mit praktischen Ansich­ten über alle Themen des Lebens hatte. Wie aber wird man so? Welche Erziehung hat er genossen und welchem Kulturkreis gehörte er an? Hat seine Kultur diese Mentalität sogar gefördert?

Um es vorweg zu nehmen: JA, GANZ EINDEUTIG!

Der Mann aber, der als erster diese besondere Form der hawaiianischen Weltoffenheit in die Welt trug, war nicht Ed Parker, sondern König Kala­kaua (soviel ich weiß ein Vorfahre Ed Parkers; zumindest in der Adels-Tradition des Landes/Inseln) und man kann mit Fug und Recht sagen, dass er wirklich der letzte König Hawaiis war.

Um König Kalakaua näher zu charakteri­sieren muss man wissen, dass Hawaii ein eigenes Königreich war, das im Interesse von einigen amerikanischen Ananaspflanzern mit Hilfe der USA im vorletzten Jahrhundert mit Waffengewalt annektiert wurde (erst Bill Clinton hat sich dafür bei den Hawaiianern entschuldigt).

King Kalakaua hat nur eine Generation vorher für sein Land mehr getan, als viele der vorangegangenen Könige oder seine Schwester, die ihm auf dem Thron nachfolgte. Er war auf der gan­zen Welt berühmt und angesehen als ein erfahrener, geschickter und hoch intelligenter Vertreter seines Landes, dessen diplomati­sche Fähigkeiten über alle Maßen geschätzt wurden. Er komponierte Musik, tanzte sehr gerne, stellte westliche Werte in Frage (z. B. diesen, warum in der westlichen Welt die Kraft der Frauen nicht genutzt wurde) und förderte alles, was seinem Volk nützen könnte.

Er interessierte sich für Kampfkünste, nicht zuletzt für Lua, und auf seinen Reisen durch Asien ent­deckte er, dass er die hawaiianische Kampfkunst wieder aufleben lassen könnte durch das, was er in Japan gesehen hatte. Zum damaligen Zeitpunkt waren die Lua-Meister lange in die Berge oder auf die Insel Kaui geflohen, wo sich die Kunst erhalten konnte; ebenso wie in den Familien, wo sie heimlich gepflegt wurde. Er sah nunmehr seine Zeit gekommen, Lua und die Wettkämpfe im Lua (es gab zu dem Kriegssystem Lua auch Wettkampfformen auf Hawaii) wieder aufleben zu lassen über das Mittel ausländischer Kampfkünste.

Hinzu kam, dass King Kalakaua das genaue Gegenteil eines Faschis­ten und Rassisten war. Er meinte, dass es das Beste wäre, sein Volk „zu veredeln" durch die besten Vorzüge anderer Völker. So holte er Japaner, Chinesen und sogar Deutsche ins Land, die sein Land mit den hervorragenden Qualitäten ihrer Länder und Kulturen aufbauen sollten. Lei­der hat Kalakaua nicht mit der Gier einiger US-Farmer gerechnet und so kam es zum Schlimmsten.

(Siehe auch Artikel von James T. Fitzpatrick aus dem Black Belt - Magazin!)

Zitat aus o.g.: „Hawaii hat eine Vielzahl von Invasoren überstehen müssen und genauso vie­le Kriege. Und dieses wunderbare tropische Inselparadies, wel­ches vom Hauptstrom der Kampfkünste abgeschnitten war, entwi­ckelte eines der tödlichsten – einige sagen das tödlichste – System der unbewaffneten Selbstverteidigung, das jemals entwickelt wurde. Diese Kunst wurde Lua genannt, eine knochenbrechende Form der Selbstverteidigung, welches eine erstaunliche Ähnlichkeit aufweist mit modernen asiatischen Kampfkünsten. Lua ist so etwas wie eine große, aber dennoch sehr ökonomische Kunst mit ähnli­chen Elementen wie Karate, Judo, Jiu Jitsu, Aikido und Kendo." Jedes hawaiianische Kind ist aufgewachsen mit den Geschichten über die furchtbare Kraft der Lua-Kämpfer." Zitat Ende

Später im 19. Jahrhundert wurde Kalakahua König und begann mit der Restauration der hawaiianischen Kultur ein­schließlich der Kampfkünste. Auf einer Reise nach Japan erkannte er die Ähnlichkeit der dortigen Kampfkünste und der seines Heimatlandes anlässlich einiger sportlicher Vor­führungen und erinnerte sich wieder an die Wettkämpfe, von denen man ihm erzählt hatte, als er Kind war. Zu Hause angekommen tat er alles, um diese Künste wieder zu beleben.

Interessant aber nicht ganz so wichtig:

In o.g. Artikel wird ebenfalls auf folgenden interessanten Sachverhalt hingewiesen:

Zitat Anfang (in eigener Übersetzung): „... Aufmerksamkeit auf mentale und physische Disziplin, die sich nördlich von Indien durch China und even­tuell nach Japan verbreitet hat. Einige Ethnologen glauben, dass die ethnische polynesische Gruppe ursprünglich von Indien, viel­leicht von der Bucht von Bengalen kommt. Die Polyne­sier je­doch verbreiteten sich von den östlichen Inseln und von Hawaii aus. Es ist sehr interessant darüber zu spekulieren, dass Judo, Jiu Jitsu, Karate, Aikido, Kendo und Lua alle eine gemein­same Quelle haben könn­ten. Der Untergang und die graduelle Auslö­schung von Lua und anderen lokalen Kampfkünsten werden sehr oft als der Einfluss von christlichen Missionaren dargestellt, die 1820 mit ihrer Friedensbotschaft ankamen. Es ist eine Tatsache, dass viel von der alten hawaiianischen Kultur nach ihrer Ankunft unterging." Zitat Ende

Heutige Linguisten und Genetiker stützen diese These, die sich an religiösen Ideen festmacht!

Die Hawaiianer hatten mit vielen Auffassungen aus dem Ausland kein Problem in Adaption und Anwendung so z. B. die Aufnahme des Christentums, das dem Huna–Prinzip sogar verwandt schien oder die Förderung anderer Kulturen im eigenen Land.

Eine böse Missinterpretation durch einige Kreise in den USA war allerdings, dass die Haiwaiianer keine eigene Kultur besäßen und sich der Kultur fremder Völker bemächtigen müssten. So kam auch das Vorurteil des primitiven Wilden ohne Kultur zustande, der ab sofort US-amerikanisch zu sein hatte.

Wie man mit den Ureinwohnern umzugehen hatte, hatte man ja schon bei den Indianern gezeigt bis in die heutige Zeit.

Die Hawaiianer schafften den Bogen der Anpassung durch ihre o.g. Kultur ohne weitestgehend vernichtet zu werden und sie retteten sogar große Teile davon.

Im Nachhinein, nach Clintons Entschuldigung, alles über einen Kamm zu scheren und die Kultur nicht zu würdigen, sondern überall das Typenschild USA drauf zu kleben, ist so, als würde man behaupten, dass es keine US-amerikanischen Fahrzeuge oder Computer gibt, weil die Deutschen ja das Automobil und den Computer erfunden haben.


Auch mit der deutschen Gründlichkeit, der asiatischen Kultur und Kunst etc., hatten sie keinerlei Probleme, wie oben schon beschrieben.

(Der Mädchenname von Ed Parkers Frau Leilani war übrigens Bertelmann).

Der König war keine Ausnahme in seiner weltoffenen Ansicht, sondern nur die Spitze des Eisbergs eines Großteil seines Volkes, das sich so sehr mit ihm identifiziert hat.

Ed Parker hatte keine Probleme, chinesische Traditionen zu nutzen, allerdings übernahm er nicht alles ungefiltert, noch glaubte er an eine Überlegenheit einer einzigen Kultur. Wäre dem so gewesen, dann hätten wir sicher nicht westliche Didaktik im Kenpo (Alphabet), sondern würden wohl chinesische Schriftzeichen studieren und deren fremde und bildhafte Didaktik nutzen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die asiatische Didaktik ist der Westlichen nicht unterlegen, man braucht nur länger, um Lehrinhalte danach zu erfassen.

Der Grund: Zuerst muss man die fremde didaktische Vorgehensweise verstehen, bevor man die Inhalte erkennt. Wer das nicht glaubt, sollte mal den Hagakure lesen oder „Das Buch der 5 Ringe".

Wir finden in den Namen der Kenpo-Techniken scheinbar oft chinesische Bilder (was auch stimmt!); wenn man diese allerdings mit den Bildern der Polynesier vergleicht, erhalten wir in vielen Fällen einen Gleichklang in der Symbolik.

Auffällig ist trotzdem die Systematik in den Bildern unserer Techniken, die wir aus dem asiatischen Bereich so nicht kennen z.B. „Rod" oder „Storm", sie deuten immer auf eine bestimmte Waffe und/oder Angriff hin, durchlaufend durch alle Gurtfarben.

Serge King beschreibt diese Mentalität in seinen Büchern sehr gut, und auch die Mentalität eines traditionellen Hawaiianers in der Lehre, die Wichtigkeit bestimmter Dinge auszusprechen ohne (vom Schüler) das Lernen (dieser Dinge) zu fordern.

Eine Geschichte frei aus dem Gedächtnis beschrieben, kommt in einem seiner Bücher vor, in der sein Kahuna ihm sagt, dass es wichtig sei, etwas über Steine zu erfahren.

Er fragt, ob er es wolle, dass er etwas über Steine wissen solle. Der Kahuna sagt nein.

Er fragt, ob er es müsse und der Kahuna sagt nein.

Er fragt, ob es eine bestimmte Bedeutung für ihn habe, was er gesagt habe, der Kahuna sagt nein.

Serge K. fragt jetzt, ob er ihm etwas darüber erzählt und der Kahuna fängt an zu lehren.

(Weitere Bedeutung: siehe unten)

Bruce Lee hat einen wunderbaren Satz geprägt für die Kampfkünste und das Leben: „Absorb what is usefull" und nachdem ich weiß, dass er in Ed Parker's Haus gelebt und 2 Jahre bei ihm trainiert hat, wundert mich dieser Satz auch nicht!

Der Satz ist deswegen bedeutsam, weil er revolutionär war/ist. Ohne Dogmen und starre Ansichten wird das Wissen unendlich (von der entwickelten Toleranz ganz zu schweigen); mit einem Lern- und Lebenssystem wird das Wissen erreichbar!

Ed Parker stand für beides, sowohl für den Hunger nach Wissen und die Leidenschaft, dieses Risiko des lebenslangen Lernens einzugehen und für das Lernsystem, das es erst einmal erlaubte, die Dinge erlernbar zu machen.

Im Huna nennt man es übrigens „Kala" - Es gibt keine Grenzen

In vielen asiatischen Systemen ist es so, dass der Meister immer etwas für sich behält. Damit der Schüler ihn nie überflügeln kann, eine eigene Schule in der Nähe eröffnen oder sich sogar körperlich gegen ihn auflehnen kann.

Man findet unzählige Geschichten darüber in den alten Schriften aus Indien, Persien, China und Japan.

Damit stirbt immer ein Stück der alten Kunst und der Schüler muss das „Rad wieder von Neuem" erfinden, statt aufzubauen auf dem tradierten Wissen.

Außerdem ist es bis heute schwer, vielen Asiaten Wissen zu entlocken; im Kenpo gehen wir sehr freizügig mit dem Wissen um, allerdings muss der Schüler nicht immer alles auf einmal und vollständig verstehen und umsetzen. Er greift sich das Stück, das für ihn „Aloha"- (Glücklich sein mit dem was man tut) bedeutet, das ihm also gut erscheint in diesem Augenblick.


Wie hat Ed Parker versucht zu vermeiden, dass Wissen verloren geht?

Mit dem o.g. System, das die Forschung immer in den Mittelpunkt des Kenpo stellt und dem Lehrer einer Schule, der immer der 1. Diener der Schule sein muss.

Wenn man mir heute vorwirft, dass mein CM-Kenpo sich nicht mehr auf dem Weg des Meisters befindet, muss ich lachen und bin auch ein wenig stolz. Diese Leute befinden sich meistens auf dem Boden alter Erkenntnisse und denken es sei der Weg.

Heute wäre der Meister mit Sicherheit nicht mehr auf dem damaligen Erkenntnisstand, denn in einem Seminar konnte man bei ihm fühlen, sehen und spüren, wie sich das Wissen in diesem Moment entfaltete. Wieder etwas, das nur durch Aloha entsteht.

Zu viel hat sich ergeben, zu viel ist passiert in einer Welt, die ein Dorf geworden ist.

Sicher ist es scheinbar einfacher, immer das Gleiche zu machen und sich dafür gegenseitig auf die Schulter zu klopfen und reichlich zu beschenken, aber wie sehr kann man sich noch in eine Scheinwelt zurückziehen? Wie groß ist das Sicherheitsbedürfnis eines Menschen, wenn er sogar dem Schein als Weg folgt und die Regeln der eigenen Gruppe nicht mehr befolgt? Ich weiß es nicht!

Ganz ehrlich: Mir wäre außerdem unendlich langweilig, wenn ich es machen würde, und langweiliges Kenpo kommt im CM-Kenpo nicht vor!

Allerdings muss ich auch gestehen, dass zusätzliches Wissen oft weh tut. Körperlich und mental, weil man ständig sich und das hart erarbeitete Wissen, an dem man so sehr hängt, in Frage stellen muss.

...wie sollte willentlich gesteuerte Charakterschulung denn anders geschehen, als über diesen Weg? Ich weiß es nicht!

Wenn ich also BJJ, Savate, Systema oder FMA mache, dann bin ich wohl nach hawaiianischer Philosophie näher am Meister, oder besser gesagt an seiner Philosophie der Offenheit, als die „Wissens-Wiederkäuer" dieser Welt.

Wie oft sagten mir Meister aus aller Welt wie z.B. Earle Montague, dass sie Tai Chi und Ba Gua mit Ed Parker trainiert hätten. Remy Presas (Arnis), Bruce Lee (Boxen, WT, Kung Fu), Solomon Kaihewalu (Lua), Wally Jay (Small Circle Ju Jitsu), Danny Emperado (Kajukenbo) ... waren seine Freunde und/oder Trainingspartner.

Trotzdem warf sein ehemaliger Meister Prof. Chow, um den er sich zeitlebens bemüht hatte, Ed Parker am Ende seines Lebens die übelsten Schmähungen entgegen (siehe Archiv Black Belt Magazine). Tja, vielleicht bringt das Alter so etwas mit sich und man muss vergeben. Ed Parker jedenfalls hat sich dazu nie geäußert.

Vor kurzem habe ich einen Artikel über BJJ gelesen, in dem ein Judoka den BJJlern vorwarf, dass es gar kein Jiu Jitsu sei, sondern nur modifiziertes Judo usw. Da wirft doch glatt jemand einem anderen vor, dass er nachgedacht hat? Vielleicht hätte sich Helio Gracie noch dafür entschuldigen sollen? Ich befinde mich also in bester Gesellschaft!

Dennoch gibt es sowohl für diese Leute wie auch für einen wahrhaften Kenpo-Schüler die Lehre daraus:

Ike - Die Welt ist so, wie du sie siehst und

Makia - Energie folgt der Aufmerksamkeit

Warum Makia an dieser Stelle?

Wir Menschen haben eigentlich immer Erfolg mit dem, was wir tun - so zumindest die Auffassung der Hawaiianer. Das ist wohl festgelegt im Aumakua, unserem göttlichen Selbst.

Wenn sich die Energie immer mehr auf Wissen und Entwicklung konzentriert, ist der Erfolg unausweichlich. Das Wissen wird größer und der Entwicklungsstand nimmt zu.

Wenn ich mich immer mehr auf Beschränkung und Konservativismus konzentriere, ist der Erfolg auch da unausweichlich. Die Beschränkung und der Konservativismus werden immer größer.

Man muss eben wissen was man will, aber man darf niemandem für seine Ziele böse sein, solange er nicht versucht, sie zu meinen Zielen zu machen und das möglichst auch noch mit Repressalien.

Meine Entscheidung stand sehr früh fest im Leben, denn ich wollte nie meine Zeit verschwenden mit sinnlosem Repetieren. Zeitverschwendung heißt Lebensverschwendung.

Welche Philosophie steckt (noch) hinter den Lehren des Kenpo und dem Lernen?

Erinnern wir uns an die Geschichte mit den Steinen frei nach Serge King.

Der Kahuna weiß, dass es wichtig ist, aber er weiß nicht, ob es gerade in diesem Moment für diesen Schüler wichtig ist.

Der Kahuna kann also die Entscheidung in diesem Moment für den Schüler nicht treffen, aber er hat den Impuls, dass er gerade dieses Angebot zu diesem Zeitpunkt sehr gut machen kann. Also ist es auf jeden Fall für den Kahuna wichtig Aloha zu leben, also mit den Dingen zu leben und damit glücklich zu sein.

Aloha - Lieben heißt, glücklich sein mit dem was man tut

Der Schüler allerdings muss jetzt seine Entscheidung treffen:

Manawa - Jetzt ist der Augenblick der Macht

Die Parallelen zu einem guten Kenpo-Training sind nicht zu übersehen: Der Trainer macht das Angebot (im Rahmen des Kenntnisstandes des Schülers. Das ist das Lernsystem des Meisters) und der Schüler sieht zu, was er davon annimmt.

Für den Schüler heißt es jetzt eine Entscheidung zu treffen, denn Mana - Alle Macht kommt von Innen.

Ohne die Entscheidung entsteht kein Lernen bzw. je nachdem wohin die Energie fließt (s.o.) entsteht die Gewissheit, dass man es nicht lernen möchte.

Daraus entsteht sicher wieder die richtige Entscheidung, nicht sein Leben zu verschwenden mit Dingen, die man nicht lernen will.

Wie aber wählt der Schüler aus? Wo ist seine Entscheidungshilfe?

Ganz einfach: Pono - Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit

Was nicht funktioniert, ist auch nicht Kenpo.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine frohe Weihnacht, einen guten Rutsch und ich seh' Euch beim Training.

TCB/S

Robert