Die Suche nach dem heiligen Gral ?

Es gibt eine Sache, die die meisten Kampfsportler/-künstler gemeinsam haben. Es ist die Suche nach der Wahrheit, die Suche nach dem optimalen, besten und überlegensten Kampfsystem der Welt.

Überlegen? Fragt sich worin überlegen?

Viele denken an den Hintergrund zu überleben in einer gefährlichen Situation, aber es ist auch das Gefühl, Macht ausüben zukönnen oder besondere Fertigkeiten zu erwerben, die andere Menschen nicht besitzen.

Andere wollen einfach nur Clubs gründen, in denen sich uralte Männer treffen, die gar nicht trainieren oder forschen wollen, sondern die sich einfach treffen wollen, Spaß haben wollen usw.

Keine Angst; das wird keine moralische Betrachtung, denn alles sind vertretbare Motive, solange sie nicht ins kriminelle oder moralisch Verwerfliche abgleiten.

Kriminell ist es, Menschen zu demütigen oder zuverletzen, weil man weiß, dass sie einem unterlegen sind. Das ist wohl jedem anständigen Menschen klar.

Was aber ist moralisch verwerflich?

Bunte Gürtel zu verteilen aus niederen Motiven, z.B. dass man die Gürtel ja verkaufen kann; dass man versucht sich über andere zu erheben ohne Wissen nur mit eine paar Streifen; dass man Anderen eins auswischen will indem man Leute in Ränge erhebt, die sie nicht verdient haben usw. die Resultate sind klar: Man schadet dem Kenpo und der Auftrag eines jeden Kenpoists – FORSCHUNG! - verschwindet vollkommen hinter der Operettenfassade neu und selbst erfundener Gürtel.

Andere wiederum suchen das optimale Sportsystem,also etwas, in dem sie die meiste Befriedigung finden in Sachen sportlicheEhrungen, körperliche Verausgabung usw.

Wieder Andere suchen Gesundheit und verschreiben sich vollkommen Martial Arts Gesundheitssystemen, und an keiner der Motivationen gibt es irgendetwas auszusetzen, solange man nicht versucht, die Dinge zu vermischen.

Das bedeutet, dass ich schlecht ein Gesundheitssystem machen und gleichzeitig erwarten kann, dass ich mich damit auf der Straße verteidigen kann oder ein Straßenkampfsystem betreiben kann und glauben kann, der Sport liegt mir zu Füßen.

Schließlich ist es ja auch ok für einen Fußballer, Handball zu spielen, solange er weiß, dass es andere Regeln sind.

Machen wir uns nichts vor, denn alle Kampfkünste sind nur Teilsysteme eines großen Ganzen.

Ed Parker hat immer gesagt, dass wir alle keine Martial Art betreiben würden, sondern eine Partial Art.

Sehr viele Schüler allerdings kommen als Anfänger und wissen gar nicht was sie suchen, und wenn man nicht weiß was man will, ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

Ich nehme mich da nicht aus, denn auch ich war auf dieser Suche nach DEM SYSTEM und bin es teilweise heute noch, nach der allumfassenden Kampfkunst, dem „Non plus Ultra", dennoch haben sich die Vorzeichen für mich stark verändert, denn die Erfahrung hat mich Vieles gelehrt.

Zeit verschwenden ist nicht mein Ding, denn wir haben nur eine begrenzte Lebenszeit. In dieser Lebenszeit stehlen einem eine Menge Leute und Umstände die Zeit, aber niemand bringt einem neue Zeit. Also muss ich meine Zeit effektiv verbringen und die Frage stellt sich wiederum effektiv in was?

Also was will ich überhaupt und welche Zeit steht mir zur Verfügung?

Meine Suche war (und ist) eben die nach einem System, das alles vereinigt: Sport, Gesundheit und Verteidigung, und mit dieser Suche war ich nicht allein.

So brachen in den 70zigern und 80zigern die Diskussionen nach fachlichen Ausrichtungen aus, die zuerst recht sachlich geführt wurden und dann, bei Argumentationslosigkeit verloren selbst sogenannte Meister völlig die Normen der Höflichkeit und wurden entsprechend ausfallend in den Zeitungsforen. Die Feigsten unter ihnen schrieben im Namen ihrer Schüler, um die eigene Weste nicht zu beflecken. So tauchte auch mein Name und der meines Freundes des Öfteren auf, ohne dass wir jemals an diese Zeitung geschrieben haben. Im Internetzeitalter wäre das eine Katastrophe.

Sehr schnell wurde klar, was ein „sophisticatedstreet combat system" war und die diejenigen, die versuchten mit Sport(noncontact)systemen dagegen anzukämpfen, waren auf diesem Diskussionsfeld schnell verloren (nicht auf anderen Gebieten übrigens).

Wer war der Beste, der Schnellste, der Effektivste und die Diskussionen und Diskurse liefen immer spitzer zu, nicht zuletzt wegender Geldgier einiger Leute und deren sektenartigen Doktrinen.

Spitzer bedeutet, dass es immer mehr auf Dinge ankam, die nur noch 5 % des Kampfgeschehens beeinflussten und dann den Ausschlag geben sollten - nach Meinung einiger Herren -.

Da gab des in den 70zigern, die Formen/Katas, inden 80zigern Chi Sao oder die pushinghands als die letzten Geheimnisse der Martial Arts, die sich dem Schüler offenbaren sollten.

Daraus entstand auch der Martial Arts Inzest, denn weil man sich nicht austauschen wollte, die Fronten verhärtet waren, kämpfte man immer nur im eigenen System, so dass eine ungewöhnliche Situation auf der Straße bald für viele unlösbar wurde.

Wenn alles nichts mehr half, wurden eben Bruce Lee und Chuck Norris in die Argumentation gequält. Interessant dabei war, dass beide vollkommen unterschiedliche Systeme vertraten und es bis heute tun; denn Bruce Lee hatte Wing Chun, Kenpo und die FMA studiert und Chuck Norris Tang SooDoo, Boxen und heute BJJ. Trotzdem waren beide toll in ihrem System.

Als ich Ed Parker fragte, wie effektiv Chi Saosei, sagte er, dass Chi Sao sehr effektiv sei und es würde ca. 5 % des Kampfes beeinflussen. Wie sinnvoll sei es aber 80 % der Trainingszeit auf 5 % Effektivität zu verwenden? Damals waren viele Leute wirklich Chi Sao süchtig.

Die Formen/Katas sagte er, seien eine gute Übung aber sie seien keine Gottheiten der Kampfwissenschaften und schon gar kein Selbstzweck.

Ich kann das alles aus heutiger Sicht nur mehr als unterstreichen; aber das wundert keinen, denn Ed Parker war wie immer seiner Zeit Lichtjahre voraus.

Der Mann war eben immer schon eine Klasse für sich.

Heute weiß ich wie Recht er gehabt hat aus der Sicht des Trainers, denn, wenn die Erkenntnisse der 79ziger und 80ziger wahr gewesen wären, würde heute jeder MMA- Kämpfer Formen machen oder Chi Sao. Die meisten machen es aber nicht, sondern sie haben sich dem Grappling zugewandt und das war in den 70zigern und 80zigern vollkommen verpönt, ja von einigen Experten als sinnlos angesehen.

Wie wir alle wissen, sollte ein kleiner unscheinbarer Mann aus Brasilien und seine Söhne uns etwas vollkommen anderes lehren:

Sein Name Helio Gracie!

Worauf kommt es aber wirklich an, wenn man gut werden will als Kämpfer? Die Liste all dessen würde jeden Aufsatz sprengen. Da tauchen Dinge auf wie Härte, Durchsetzungsvermögen, Kontinuität, Einstellung u.v.a.m.

Für mich spielen heute andere Dinge eine Rolle und es wurde mir schlagartig klar im Training mit Leuten aus anderen Systemen, die es wirklich „drauf" haben.

- Kreativität ist ein besonderer Faktor, denn was der andere nicht kennt und nie gesehen hat, kann er auch nur fast zufällig kontern. Deshalb ist es wichtig über den Tellerrand zu schauen. Ich sehe heute viele Kenpoists, die Techniken (relativ) sinnlos abspulen und sie nie verstehen, weil sie gar keine Ahnung vom Angriff haben, wie er ausgeführt wird, welcher Gefahr er birgt und welche Mentalität der Angreifer denn hat. Jemand, dermit einer Waffe angreift, hat ein vollkommen anderes Potential als jemand, der greift. Mir wurden die Kenpo Techniken erst klar als ich BJJ, FMA, Savate und andere Kampfkünste gemacht habe. Dieses Wissen gebe ich dann 1:1 an meine Schüler weiter.

- Spaß am Training, denn wenn die Räumlichkeiten nicht stimmen, unsauber sind, die Leute unerträglich sind oder im Training weder Kontinuität noch Abwechslung sind, kann man nicht effektiv lernen.

- Der Lehrer: Ich habe einmal Unterricht gehabt bei einem „Kenpo-Giganten", dessen Fertigkeiten mich bis heute faszinieren. Der Mann war so eitel, dass es weh tat; seine Posen waren so widerlich, dass ich mich ekelte; seine unnahbare Arroganz war so penetrant, dass ich kaum zuhören konnte und zu allem Überfluss glaubte er sich auch noch in Sachen Geschichte und Allgemeinbildung auf Platz Nummer 1 (und der war wirklich keine Leuchte nach europäischen Gesichtspunkten). Nach dem Training auf ein Bier war gar nicht drin, denn das lehnte er ab und niemand war dankbarer dafür als ich. Was glaubt ihr was ich von dem gelernt habe? NICHTS! Zumindest nichts Positives.

Ein Anderer verkomplizierte alles und jedes. Der Unterricht war so sterbenslangweilig, dass ich mir in den Pausen den Kaffee literweise rein geschüttet habe. Zu allem Überfluss war sein Co Trainer auch noch ein Mann von allerschlechtestem Benehmen und mangelnder Hygiene, so dass ich auch ein freies Training ablehnen musste. Was konnte ich da wohl lernen?

- Ganz im Gegensatz dazu kam ein Cowboy aus Kalifornien von sehr schlichtem Gemüt und einem Wissen, das sicherlich geringer einzuschätzen war nach objektiven Maßstäben. Er bemühte sich nicht einmal besonders, gebildet zu sein und sprach sofort von seiner Harley. Was für ein Sympathieträger (nicht nur wegen des Mopeds ((-:), authentisch, was für ein Feuer im „Unterricht der nassen Gis." Mit dem Typ würde ich auch Moped fahren oder ein Bier trinken, ohne über Kenpo zu reden und bei dem habe ich wirklich etwas gelernt!

Die 5 %, die es zu verbessern gilt, werden immer durch den trainierenden Menschen ausgeglichen, der eine sophistcated martial art betreibt und nicht durch das System an sich.

Kommt der Schüler öfter, trainiert er härter, identifiziert er sich damit und denkt entsprechend, gleicht er mögliche technische Vorteile eines (eventuell) überlegenen Systems aus.

All das ist aber nur möglich, wenn er gerne zum Training kommt; wenn er gerne mit den Leuten seines Clubs zusammen ist (auchund gerade privat) und wenn er Spaß am System hat. Da unterscheiden sich Sport-/Gesundheitssysteme oder Straßenkampfsysteme nur durch die Ausrichtung, also durch das, was der Trainierende möchte.

Willst Du gut sein, muss das Environment gut sein und Environment ist nach Ed Parker alles, was in Dir, auf Dir und um Dich herumpassiert und/oder ist.

Fazit: Die Hawaiianer haben es genau beschriebenund seht Euch mal die Leitsätze an im Hinblick auf das oben Geschriebene:

1. Ike                Die Welt ist so, wie du sie siehst

2. Kala              Es gibt keine Grenzen

3. Makia            Energie folgt der Aufmerksamkeit

4. Manawa        Jetzt ist der Augenblick der Macht

5. Aloha            Lieben heißt, glücklich sein mit

6. Mana            Alle Macht kommt von innen

7. Pono             Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit

In diesem Sinne! Ich seh´ Euch beim Training.

TCB/S

Robert